Bodi Bill – Konzertbericht

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Das waren also mal wieder Bodi Bill.  Anderthalb Stunden lang Rave-Konzert und Euphorie im Publikum sowie auf der Bühne. In selbstgeschneiderten Flohmarkt-Anzügen nehmen die drei Berliner mit einer Stunde Verspätung ihre Plätze hinter den Macbooks ein. Die ersten sphärischen Klänge sind zu hören, der erste Beat wird durch Knopfdruck gestartet, die ersten Visuals laufen im Hintergrund ab. Während Anton, Alex und Fabi gerade erst ankommen, wird vor der Bühne schon wie wild gezappelt. „One or Two“ eröffnetet nicht zum ersten Mal eine Bodi Bill Performance und auch „Tip Toe“ und „Traffic Jam“ bietet Kennern nichts Neues. Doch langsam will der Funke überspringen. Die an die Wand geworfenen Visuals passen immer besser zur Musik, Fabian beginnt energievoll einen unbekannten Song zu singen und Anton kann seine abgehackten Tanzbewegungen nicht mehr zurück halten. „Ihr seid alle so locker“, merkt Alex nach einer Weile, „das ist der Unterschied zwischen Köln und Berlin“. Recht hat er wohl, denn das Publikum unterscheidet sich in beiden Städte frappierend.
Berlin: die Szene rund um Sinnbus. Die Leute kennen sich, schütteln Hände, nicken mit dem Köpfen und tanzen, aber feiern das Ganze irgendwie in einer anderen Dimension. Bodi Bill sind hier ja nicht erst seit gestern bekannt.
Köln: stark gemischtes Publikum, große Altersunterschiede, kleine Gruppen. Der Großteil scheint bei der Tour mit Polarkreis 18 aufgegabelt worden zu sein und bejubelt jeden Ton, den die Jungs durch die Boxen jagen. Alle haben Spaß, sind die tief drin im teilweise hart-ausartenden Electro, doch irgendwie fehlt das Besondere. Es fehlt der Überraschungsmoment, den es im Berliner Lido gab, als plötzlich Pappkartons ins Publikum geworfen wurden. Es fehlt die besondere Location, die die Dachterrasse auf dem Weekend zu bieten hatte. Situationen, in denen sich Fabian ins Rave-Getummel vor der Bühne stürzt oder zu der Zeile „Take hold of my hand“ die Hände der erste Reihe schüttelt, sind nett, rufen in mir jedoch ein Déjà-vu hervor.
Die Innovation, die Bodi Bill unter anderem mit ihrer „Clubkultur und Folkästhetik“ an den Tag legen, scheint etwas verblasst zu sein. Trotzdem feiert das Publikum und will einfach nicht aufhören. Die instrumentale Zugabe „Small Sorrows, Great Songs“ kam zwar auch schon mal besser rüber, reißt das 3/4 volle Luxor aber erneut mit. Es folgt minutenlanger Applaus vom Publikum und bedauernde Gesichtsausdrücke auf der Bühne. „Wir können wirklich nur noch Danke sagen. Wir haben einfach nichts mehr vorbereitet. Wenn wir noch was spielen sollen, müssen wir was wiederholen“ Erbarmend fragen Bodi Bill dann, welches Lied man denn gern nochmal hören möchte. Entschieden wird sich für den Opener „One or Two“, was Fabi nicht so richtig glauben will. Die Konzertgänger feiern damit aber die letzten Momente eines soliden, trotzdem nicht überraschenden Auftritts.

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