Black Rebel Motorcycle Club in der Essigfabrik

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Sowas wie ein Rock’n’Roll Konzert, tatsächlich?! Beim Reinkommen wird sofort klar, wo wir sind – und zwar auf dem Konzert einer der wenigen Bands, die heute noch ganz ohne Ironie und Lächerlichkeit ihr dreckiges Image pflegen. 80 Prozent schwarze Lederjacken stehen in der Essigfabrik in Köln und langweilen sich gerade noch zum letzten Lied der Vorgruppe Zaza. Nicht unbedingt zu Recht, aber es ist ein hartes Los als eher poppiges Duo aus ‚trendy‘ Brooklyn vor 1200 Rockfans – KÖLNER Rockfans – für Black Rebel Motorcycle Club eröffnen zu müssen/dürfen. Zaza können heute nicht viel reißen, leider.

Dafür BRMC! Ohne Worte. Im wahrsten Sinne, denn die drei quatschen nicht viel. Aber das müssen sie anscheinend gar nicht. Dunkler Auftritt und Lippenstift auf der Wange geben die Richtung an und nach anfänglicher, lokaltypischer Nonchalance dampft das Publikum beim vierten Song „Bad Blood“ nicht mehr nur wegen der verbreiteten und durchaus tolerierten Missachtung des Rauchverbots in der Halle. Wenigstens der Medi-Moshpit vor der Bühne, in den sich auch Robert Levon Been zwischenzeitlich einmal wirft, hat die Arme oben und schreit bis zum Ende. Ab und zu lässt sich jemand rumtragen und verspritzt Bier. Drumrum wird gewippt – und geraucht.

Die gut gemischten alten und neuen Hits der Kalifornier verfehlen auch bei diesem Rest zu vorgerückter Stunde bald nicht mehr ihre Wirkung. Die Stimmung entfaltet sich halt langsam und Black Rebel Motorcycle Club lassen sich dafür auch genüsslich Zeit: beinahe zwei Stunden reine Spielzeit und spätestens bei „Weapon Of Choice“, „Berlin“ oder natürlich „Whatever Happened To My Rock & Roll“ haben sie das gesamte Publikum am Haken. Dem grundlegenden 4/4-Takt, ausdauernd von Leah Shapiro für die zwei Frontmänner auf die Bühne geknallt, kann sich mit der passenden  Lichtshow auch an einem Montagabend kaum jemand entziehen.

Sogar die neuen Sachen von „Beat the Devil’s Tattoo“ kommen mit persönlichem Appeal viel reizvoller als auf der Platte: düster, hypnotisch, treibend. Und trotzdem mit dem gewissen Glamour, der zeitweilig sogar an 80er Poser-Metal erinnert. Doch immer mit dem suggerierten Gefühl, als Publikum jederzeit austauschbar zu sein. Das ist gewollt – von beiden Seiten. Denn ohne vorgetäuschtes Desinteresse funktioniert Rock’n’Roll eben nur halb so gut und hätte auch den Black Rebel Motorcycle Club wieder nur zum Pop-Event gemacht. So nicht!

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