13. Ehrenfeld Hopping

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Schon früh geht in den beteiligten Lokalitäten des 13. Ehrenfeld Hoppings an diesem Samstag gar nichts mehr. Vor dem Hemmer herrschen karnevalsartige Zustände, um den angekündigten Überraschungs-Act – die Dominik Clayton Band – in der Kölschen Kultkneipe zu sehen. Gefühlt die Hälfte der Gäste steht bereits um halb zehn statt drinnen draußen vor dem Eingang, aber das ist jetzt schon überall der Fall. Auch ohne hoppingspezifisches Abendprogramm.

Für alle, an denen die Veedelsveranstaltung bis jetzt vorbeigegangen ist: Bummelig alle drei-vier Monate gibt es in Ehrenfeld so etwas wie eine große gemeinsame Party mit vielen – den meisten – naja, eigentlich allen nachtlebeninvolvierten Lokalen des Viertels. Denn auch die Bars und Clubs (und – beim etwas jüngeren Night Shopping – auch Läden), die nicht auf dem omnipräsenten Hopping-Pass aufgeführt sind, für den man reich bestempelt Getränke und Eintritte raushauen kann, sind an diesen Abenden überproportional frequentiert.

Heute noch einmal eine Stufe schlimmer – sogar die sonst so stoischen Servicekräfte bei McDonalds kommen kräftig ins Schwitzen, weil sie den Hopper-Horden mit Loch im Magen nur noch das geben können, was gerade zufällig in die Vorratsschienen rutscht. Der Andrang ist durchaus erwünscht, geht es doch um Image, Kulturpflege und das große, fröhliche Miteinander, aber die Masse an Partytouristen und Mitte Februar Hängengebliebenen aus dem Großraum Köln macht die Sache zwischendurch mit Trillerpfeifen und Saufparolen doch ein wenig anstrengend.

Als Ehrenfelder oder zumindest Veedelskundiger weiß man sich jedoch zu helfen. Im Hochbunker z.B. ist es zwar voller als die letzten Male, allerdings sind grölende Gruppen bei der Veranstaltung rund um den Soul weniger präsent. Ausstellung und Party sind viel mehr entspannter Einstieg mit vertretbarem Kampf an der Bar ums Mühlenkölsch. Danach ab ins Gegenüber – die Leostraße ist eben auch eher abseits der gängigen Kneipentour. Trotzdem: die obligatorische Menschentraube vor der aber noch betretbaren Eckbar mit fast schon klischeehafter Vollsicht auf den Colonius. Hier wird das Draußentrinken aber mit Sicherheit auch wegen des Wetters zelebriert, denn der Frühling beschert uns zum Glück schon einen offenen Lederjackenabend ohne Schal und Mütze. Das ist beim Bar-Hüpfen, das auf dem Weg und vor der Tür nicht selten fast unbewusst zum Kiosk-Hopping wird, gern gesehen.

In viele Kneipen muss man sich zwecks Erlebens besonderer Darbietungen dennoch reindrängeln. Wie beispielsweise ins Theaterhaus, wo neben Electro-Pop von lunapark in der Bar, im Saal auch noch Pornokaraoke lockt. Ja, das ist genau das, was man sich darunter vorstellt. Meistens schon angetrunkene Scheinwerferwillige synchronisieren Schmuddelfilmchen mit vorgegebenem „Text“. Die Auswahl an historischem Bildmaterial macht das ganze zusätzlich amüsant, obwohl die starre Publikum-Bühnen-Formation nicht richtig zur Stimmung passen will.

Und so geht es bei ungefähr jedem weiter –  ob nun der Hopping-Abend geplant, anstrukturiert oder vollkommen intuitiv gestartet ist: Getränke werden bestellt, Bekannte getroffen, Zieldiskussionen geführt, aufsuchbare Toiletten verlangt, Hopping-Pässe vertauscht, Telefonate geführt, gequatscht, gesungen und getrunken. Alles, um am Ende auf einer der drei Großveranstaltungen im Artheater, Sensor Club oder in der Papierfabrik zu landen (mit obligatorischer Aussicht auf den Absacker im Underground natürlich), die, dem Abend entsprechend vollkommen überfüllt, das Ehrenfeld-Hopping als kollektive Tanzveranstaltungen auf gleich mehrere Höhepunkte treiben. Schön, wenn man dann nur noch zu Fuß ein paar Meter weiter nach Hause schwanken muss.

Eine kleine Anmerkung: Persönlich schmerzlich vermisst wurde leider der Hopping-Jack. Der tatsächlich reale Mythos des fragenden Wohltäters, der regelkonform – und mit ein wenig Sponsorenkenntnis erfüllbar – von den Hoppern erkannt und angesprochen werden muss, um ihnen für regionales Wissen Geschenke zu überreichen. Ich hoffe, er ist in der Masse nicht untergegangen.

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2 Antworten to “13. Ehrenfeld Hopping”

  1. Theo Says:

    Ich habe Kommentare gesucht und keine gefunden.

  2. Impolokalcova Says:

    Die wichtigsten saneness im Namen dieser heizt sich ausdrücklich von dem würzigen Sonne, terra, kann die Gelegenheit auch atmosphärische Fronten und mehr verwendet werden.

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