Rain Machine im Stadtgarten

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Eigentlich sollte man sich bei Kyp Malone nicht weiter über musikalische Exzesse wundern. Immerhin ist der Gitarrist der wohl besten Artrock-Band Brooklyns, TV on the Radio, nicht für die Wahrung von Konventionen bekannt. Mit seinem Solo-Projekt Rain Machine toppt der Mann mit der auffälligen Haarpracht heute im Konzertsaal des Stadtgartens in Köln zumindest beim Finale der Show aber noch mal alle Erwartungen.

Den beherrschteren Auftakt machen aber White Cycle Crime Club, die schon 2008 mit TV on the Radio auf Tour waren und als klareres, belgisches Äquivalent der New Yorker Post-Noise-Rocker gehandelt werden. Tatsächlich erinnern die fünf mit ihren langgezogenen Instrumentalstrecken und dem angespannten Stimmen an einen durchaus fesselnden Bastard aus Porcupine Tree und Cold War Kids, sind allerdings heute nach sechs Shows mit Rain Machine das letzte Mal dabei. Zum Bedauern von Kyp Malone der später auf der Bühne nicht müde wird, immer wieder den gebührenden Applaus der Zuschauer für WCCC einzufordern.

Seine eigene Truppe macht da einen weniger geordneten Eindruck. Die fünfköpfige Band könnte schon optisch nicht bunter wirken. Links, die quirlige Heidi Ferrell neben der kindlichen Cellistin, hinten, der auch in ein Historiendrama passende Drummer und rechts, Andy McLeod mit beeindruckender körperlicher Präsenz und die burschikose Carmen Piteo an der zweiten Gitarre. In der Mitte Malone, der mit fast väterlicher Gelassenheit seine – gegen Ende fast spasmische – Familie unter Kontrolle hält. Die wirft nämlich bald alle Selbstbeherrschung über Bord und fabriziert in vollkommenem Irrsinn Töne, die normalerweise vermieden werden wollen. Allen voran besagte Bühnenrechte mit Piteo, die allein schon dadurch, dass sie während des Auftritts gefühlte 15 Bier in Rekordzeit kippt in ganz anderen Sphären wandelt und McLeod, der seinen Bass wie geistesgestört am Verstärker und auf dem Boden rumreibt.

Ganz anders beim Solo von „Hold You Holy“, für das die ganze Bagage ohne Vorankündigung von der Bühne geht und den Kyp Malone ohne Unterstützung etwas verunsichert zurücklässt. Hier wird die eigene Richtung gegenüber TV On The Radio besonders deutlich. Malone zeigt sich als einfühlsamer Singer-Songwriter – persönlich und direkt – und, weil er es mit seiner Stimmscala hier stellenweise doch ein wenig übertreibt, ein bisschen anstrengend.

Trotzdem weiß das Publikum im halbleeren Stadtgarten – das zunächst eher auf ein musikintellektuelles Stelldichein tippen lässt – ganz genau, was für eine Instanz da vor ihnen steht. Unglaubliche Gitarrenläufe Malones und einfallsreiche, aber immer natürlich wirkende Arrangements der Band machen das über die gesamte Länge des Auftritts bewusst.

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