The Intersphere | Werkstatt | 9.03.10

by

50 Konzerte pro Jahr und ein Ruf als außergewöhnlich gute Live-Band zahlen sich für The Intersphere langsam aus: Trotz erbarmungsloser Temperaturen haben sich doch so viele aus dem Haus gewagt, dass die Werkstatt recht ordentlich gefüllt ist. Obwohl auch die Nachzügler während der zweiten Vorband nach vorne rücken, sorgt das Rauchverbot in den Pausen leider immer wieder dafür, dass die Hälfte der Besucher vor der Tür friert.
Image and video hosting by TinyPic Für The Intersphere versammeln sich aber alle brav und früh genug vor der Bühne und genießen den sphärischen Einstieg mit Musik aus dem Off, dicken Nebelschwaden und wechselnden Farbfluten. Als die vier dann die Bühne betreten, fangen sie wortlos an zu spielen und reihen die ersten drei Songs schnell aneinander, als wollten sie die Stimmung nicht durch Applaus verderben. Zu Recht: Songs wie Wizard And Elf On A Shelf schaffen eine besondere Atmosphäre, im einen Moment bauen Thomas Zipner, Sebastian Wagner und Moritz Müller unglaubliche Klangmauern auf und reißen sie im nächsten Moment schon wieder ein. Die bekannteren Prodigy Composers und Translate bringen die ersten Reihen schon früh zum Mitnicken und Schwoofen, auch wenn sogar die „eingängigeren“ Songs den Hörer ständig überraschen. Christoph Hesslers markanter Singstimme folgt nicht selten ein harter Break und ein ausufernder Instrumentalpart, der beweist, dass die Jungs auf der Popakademie in Mannheim bestens aufgepasst haben – oder es gar nicht mehr nötig hatten.
Die starken Wechsel und große Vielfalt in ihren Songs lassen sich am ehesten mit einer international anerkannten Band wie Dredg vergleichen, doch auch hier hinkt der Vergleich. Manches klingt nach Incubus, einige bombastische Schlagzeug- und Gitarrenparts erinnern sogar entfernt an Porcupine Tree und spätestens hier hört das Schubladendenken auf: The Intersphere mischen irgendwie alles und das so gekonnt im eigenen Stil, dass  man einfach dankbar sein sollte, dass eine solche Nachwuchsband auf deutschem Boden existiert.
Image and video hosting by TinyPic Das Publikum in der Werkstatt zeigt seinen Dank, indem es andächtig schweigt und lauscht. Auch Christoph Hessler, unter dessen Nachnamen die Band in den ersten Jahren tourte, ist erstaunt: „Ihr seid ja so still? Find ich super…“ Es liegt auch nicht an der Bühnenpräsenz der Jungs, dass keine pogende Crowd vor der Bühne steht, sondern ein leicht wankendes und tanzendes Publikum. Es scheinen einfach nur wenige Fans der ersten Stunde da zu sein. Und als The Intersphere-Einsteiger ist man zwar begeistert, muss aber erst die ganzen Wechsel und Kontraste auf sich wirken lassen, bevor man lospogen kann.  Allerdings wollen im zweiten Konzertteil ohnehin erst einmal emotionale Songs wie Interspheres – Atmospheres vom gleichnamigen, neuen Album oder Soap Bubbles In The Rain nicht nur das Hirn, sondern auch das Herz treffen und verfehlen ihr Ziel nicht.
Nach Verabschiedung, anhaltenden „Zugabe“-Rufen und drei Extra-Songs entlassen die Mannheimer ihre Zuschauer nach einer beeindruckenden Live-Show in die Nacht und können sich sicher sein, dass dieses Konzert die Anzahl der textsicheren Fans beim nächsten Auftritt in Köln drastisch erhöht hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: