Get Well Soon im Gloria

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Klar Kunst! Die Zwischenfrage von Get-Well-Soon-Kopf Konstantin Gropper beantwortet sich hier von allein. Zwar okkupiert Hau-Drauf-Komödiant Mike Krüger „Ist das Kunst oder kann das weg?“ für sein neuestes Programm, heute Abend im Gloria lässt sich aber der Kühlschrankmagneten-Aphorismus dennoch auf seine intelligent selbstironische Bedeutung hin interpretieren. Man kann das Konzert allerdings auch einfach genießen.

Pünktlich geht‘s los im ehemaligen Porno-Kino in der Kölner Innenstadt. Um 20 Uhr kommen die von Gropper persönlich als Lieblingsband angekündigten Musée Mécanique auf die Bühne, für die – so scheint es – die Hälfte des Publikums eigentlich gekommen ist. Kommunikation wird ringsum radikal mit eindeutigen Missgunstbekundungen unterbunden. Tatsächlich ist das auch richtig so. Die träumerisch feinen Klanggebilde der drei von eigentlich fünf Portlandern haben ungeteilte Aufmerksamkeit verdient und bereiten melancholisch und dazu äußerst sympathisch auf den Hauptakt vor.

Konstantin Gropper

Live wird Gropper – Get Well Soon in Persona – von nicht minder begnadeten Vielfachinstrumentalisten begleitet. Unter anderem von seiner älteren Schwester Verena, deren operettenhafter Gesang den perfekten Gegenpol zur Cave’schen Gruftstimme ihres Bruders herstellt. Dazwischen breitet die Band vor dem ausverkauften Gloria ihren opulenten Klangteppich in aller Hingabe aus: das emotionale Zentrum seiner Musik, wie der Pop-Akademie-Absolvent betont, und das wird auf der Bühne so deutlich wie beim Hören der neuen Platte höchstens angedeutet. Die geballte Herzensschwere hat aber seltsamerweise wenig mit den angekündigten Unannehmlichkeiten zu tun. „Vexations“ – und Highlights des hochgelobten Vorgängeralbums „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ – kuriert vielmehr mit heimatromantischer Befindlichkeit. Im Gegensatz zur allseits gerühmten Internationalität irgendwie also doch sehr deutsch und als postmodernes Märchen visualisiert in Riesenprojektionen über den Köpfen der Musiker. Da wird die düstere Version von Hänsel und Gretel im Video zu „Angry Young Man“ vom Publikum schonmal allzu sensibel mit Ekelausrufen quittiert.

Trotzdem bleibt die Musik erhaben über jegliche Ausbrüche – stoisch eben, ganz im Sinne des konzeptionellen Gedankens hinter der Platte. Erstaunlich wie viel Emotion da gegen so viel Kopf steht, aber genau das zeichnet Get Well Soon aus. Immerhin beherrscht man das Handwerk bis zur Perfektion und sammelt Motivation aus einer Empfindsamkeit, die die süddeutsche Landmonotonie zum Glück nicht zu stupfsinniger Einfältigkeit entarten konnte. Am Ende bleibt wirklich das ersehnte Wohlgefühl. Ein zwar innerliches, aber keineswegs desillusioniertes Kunstprojekt zur Lage der Wegwerfgesellschaft.

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Eine Antwort to “Get Well Soon im Gloria”

  1. FREQUENCY 2010 – Das Line-Up steht « Laila's Musik Blog Says:

    […] wieder enorm heiß – Muse, Die Toten Hosen, Jan Delay, La Roux, Billy Talent, Fettes Brot, Get Well Soon, NOFX, usw. kommen im August nach St.Pölten zum Frequency Festival – wer außer mir, wird dabei […]

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