Midlake im Luxor

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Selten können Musiker auf der Bühne ganz allein durch ihre Kunst begeistern. Viele verlassen sich da auf allerlei Effekte und Imagepflege. Nicht so Midlake: introvertiert, professionell, authentisch und trotzdem außerordentlich beeindruckend. Einfach (heute) sieben Männer, die ihre Instrumente lieben und das, was sie tun, sehr ernst nehmen – eben großartigen Indie-Folk-Rock machen.

Foto: Kai Müller (stylespion.de)

Foto: Kai Müller

‚Einfach‘ gehalten ist das Arrangement auf der kleinen Luxor-Bühne allerdings beileibe nicht. Vier Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard, Flötenwerk und verschiedene Kleinigkeiten, die man erstmal auf sinnige Weise zusammenbringen muss. Aber die ehemaligen Musikstudenten wissen alles am rechten Punkt einzusetzen. Verträumte Flöten-Intros lassen da zwar nicht die etwas prolligen Fünfminutensoli des Elektrogitarristen Max Townsley am Ende schließen, doch wenn der gleiche Typ an anderer Stelle, noch die Blockflöte am Mund, in den teilweise vierstimmigen Harmoniegesang von Tim Smith, Eric Nichelson und Eric Pulido – der vorher auch schon mit dem bezaubernden Support Sarah Jaffe duettierte – einstimmt, passt auch das. Man spürt, wie schöpferisch Midlake zusammenarbeitet, dass jeder sich hier irgendwie selbst verwirklicht und trotzdem dabei was sehr, sehr rundes rauskommen kann. Gelernt ist gelernt.

Rund bedeutet heute Abend aber auch ein wenig abgeschlossen. Midlake könnten genauso wie sie da auf der Bühne stehen auch in einem Probekeller ihrer Passion nachgehen, so sehr genügen sie sich selbst in ihren streckenweise shoegazerartigen Ausschweifungen. Zwar wird ein bisschen Danke gesagt, Titel angekündigt und zum Schluss sind die Texaner auch sichtlich gerührt von der Herzlichkeit aus dem Publikum, aber eigentlich läuft jegliche Interaktion beim Konzert allein über die Musik. Genau das fasziniert, weil sie das gerade aus eigener Kraft schafft: Intimität aufbauen, ohne sich durch Effekthascherei anzubiedern.

Apropos Intimität. Zu viel davon im vollen Luxor! Aber das ist dort ja für einseitig ausgerichtete Veranstaltungen, bei denen man sich durch den gesamten Laden zu den Toiletten neben der Bühne vorkämpfen muss, bekannt. Immerhin kann, wer glücklich ist strategisch gute Stufenplätze ergattern und sich nach der Hälfte des Auftritts über den Gedankenblitz der Haustechnik freuen, schließlich doch die Lüftung anzuschalten. Und das reicht mit dem Blick auf so etwas unkompliziert Schönes wie die Show von Midlake vollkommen – auch wenn diese nach eineinhalb Stunden vorbei ist und man dem grell-blauen Luxor-Licht ausgeliefert wieder in die Kälte stolpert.

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Eine Antwort to “Midlake im Luxor”

  1. Kai Says:

    «die etwas prolligen Fünfminutensoli des Elektrogitarristen» hihi, ich kuller mich weg.

    Nur nebenbei angemerkt: ich habe nix dagegen, wenn man Fotos von mir verwenden möchte, aber erstens fragt man doch vorher, und zweitens kann das Internet Links.

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