Element of Crime im Palladium

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Element of Crime sind popkulturell nicht penetrant im Vordergrund, jedoch immerhin seit 25 Jahren konstant dabei und mit einer grundsoliden Verehrergemeinde ausgestattet. Ihr Motto: einmal inne halten und genießen – das dürfen sie auch.

Das Palladium ist heute Abend für so manch weniger eingefleischten Fan überraschend voll. Auf einem demographisch anders gelagerten Konzert würde man sich – sofern Drängelei nicht das Ziel – zu einem strategisch cleveren, dem Mittelpulk eher entfernten Platz begeben, um nicht nur Menge, sondern eben auch Musik zu genießen. Wir sind aber ja bei Element of Crime und der persönliche Freiraum wächst proportional zum Durchschnittsalter. Das heißt Stehqualität in der Mitte ok, auch wenn mit steigender Lebenserfahrung ebenfalls die lautstarke Mitteilungsbedürftigkeit anschwillt und man sich über die ein oder andere private Anekdote aus dem Leben seiner Nachbarn langweilen darf.

Von der Vorband – in einer Person Florian Horwath – gibt es leider nur das Ende zu sehen, anscheinend werden die Künstler mit der Zeit zu allem auch noch pünktlicher. Nichtsdestotrotz wirkt der sympathische Ösi auf der Bühne so direkt, wie sein gewollt schnell produziertes Album „Speak To Me Now“ klingt und klingen soll. Was anderes könnte auch den poppigen Folk (Weird/New?) Horwaths nicht besser repräsentieren. Unmittelbar, sehr eingängig und trotzdem ein wenig entrückt, vor allem bedingt durch seine leicht brüchige Stimme. Da hört sich sogar sein „Spirit-in-the-Sky“-Cover so an, wie es sich hätte schon bei Norman Greenbaum vor 40 Jahren anhören sollen. Übrigens wird der Liedermacher u.a. am Schlagwerk von Richard Pappik begleitet. Der Element of Crime-Drummer schiebt, im Gegensatz zu Sven Regener, der seinen Toursupport ebenso auf dem Album, jedoch nicht auf der Bühne unterstützt, also Doppelschichten.

Und nicht mal eine großartige Pause ist ihm vergönnt. Element of Crime lassen sich nicht durch lange Soundchecks und Umbauten aufhalten und machen sodann gleich von Anfang an klar, dass sie hier sind, um ihr neuestes Werk „Immer da wo Du bist bin ich nie“ vorzustellen. Die Setlist ist darauf ausgelegt: das Meiste von besagter Platte – was im Publikum mit viel Enthusiasmus aufgenommen wird-, aber trotzdem genug alte Hits für die Fans der ersten Stunde. Letztere fühlen sich vor allem zu „Immer unter Strom“, „Weißes Papier“ und natürlich „Delmenhorst“ in der typischen Chanson-Mariachi-Deutschrock-Manier der Band zum schwofen angehalten und zelebrieren ihre Helden dabei ergebenst. Eigentlich eher respektvoll-kumpelhaft, denn die vier Wahlberliner sind viel mehr Begleiter als Anführer. Die Texte von Sven Regener, den man sich selbst gern in der Eckkneipe beim Gläschen vorstellt, erhalten literarisch schon elf Punkte auf einer Skala von Eins bis Zehn und setzen in Sachen Empathie immer noch mindestens einen drauf. Vielleicht ist auch gerade das der Grund für das plötzliche Bedürfnis der Leute, sich ihrer persönlichen Erlebnisse vor möglichst vielen Umstehenden zu entledigen. Das, wovon der Mann da oben singt, kennt eben jeder so oder wenigstens so ähnlich.

Bestätigt wird dieser Eindruck auch durch die zurückhaltende Begeisterung bei den drei stärker rocklastigen, englischen Stücken von dem 1987er „Try to be a Mensch“ und dem Soundtrack zu „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, wobei „Death Kills“ nicht nur lyrisch zu meinen ganz persönlichen Highlights gehört. Ausschließlich auf Deutsch zu singen war anscheinend aber die beste Karriereentscheidung in der Geschichte von Element of Crime. Und wie gesagt, das dominierende Material des neuen Albums dokumentiert dies. „Am Ende denk ich immer nur an Dich“, „Immer da bist wo du bist bin ich nie“ oder die letzte Zugabe „Der weiße Hai“ werden jetzt bereits wie die Klassiker gefeiert und imponieren durch erstaunliche Textsicherheit seitens des Publikums.

Sowas nennt man bedingungsloses Einverständnis. Dessen sind sich Regener und Kollegen sehr wohl bewusst. Nicht viele Künstler würden sich trauen, ganze vier Zugaben – tatsächlich – einzuplanen. Element of Crime können und dürfen. Dabei versucht die Band noch nicht einmal durch übertriebene Dankbarkeit Spontaneität vorzugaukeln. Und ihre Souveränität verfehlt ihre Wirkung nicht. Mit Spannung hoffen viele bei jedem Wiedererscheinen unermüdlich auf ihren Lieblingssong, sind aber letzten Endes mit allem zufrieden, was kommt – Hauptsache es dauert noch an. Und mit dem letzten Titel fasst die Band genau das nochmal zusammen „…freu Dich nicht zu früh auf den Sommer, Weihnachten ist gerade erst vorbei…“ und „Death kills“  eben.

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