Porcupine Tree, Palladium Köln, 2.12.09

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Was da direkt vor Beginn des Porcupine Tree-Konzerts von der Bühne schallt, würde schon genügen um die Masse auf einem Durchschnittskonzert zum Buhen zu bringen: Alle mitgebrachten Fotoapparate mussten schon am Eingang abgegeben werden, jetzt folgt die eindringliche Warnung: Wer trotz des Verbotes Video- oder Fotoaufnahmen macht, muss das Konzert sofort verlassen. Gott sei Dank ist das aber kein durchschnittliches Konzert und so steht die gut durchmischte Konzertmeute weiterhin ruhig, teilweise sogar bestätigend mit dem Kopf nickend, vor der Bühne. Viele hier sehen so aus, als seien sie direkt von ihrem Job als Versicherungsberater ins Palladium aufgebrochen: Nadelstreifenhemden, säuberlich in die Hose gesteckt, teilweise mit ihrer Ehefrau als Begleitung oder dem schon jugendlichen Nachwuchs. Natürlich ist aber auch die andere Seite dieser Generation vertreten, die eher so aussieht, als habe sie gar keinen Job. Die meisten Konzertbesucher unter 30, die eindeutig in der Unterzahl sind, scheinen hingegen ihre Bandprobe zur Huldigung einer Koryphäe an diesem Feiertag ins Palladium verlegt zu haben. Die härteren Parts in Songs wie „Anesthetize“ bringen sie zu wilden Luftgitarrenriffs und begeisterten „Hast Du das gehört?“-Ausrufen in Richtung ihrer vornehmlich männlichen Begleiter.
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Doch zunächst einmal lassen Porcupine Tree auf sich warten. Der Auftritt der Vorband Stick Men wird eigentlich nur genutzt, um die letzte Zigarette im beengten Raucherbereich des Palladiums zu genießen oder sich für die Hauptband perfekt in der großen Halle zu positionieren. Als dann nach geraumer Wartezeit endlich Steven Wilson und seine vier Mitstreiter die Bühne betreten, hält der Applaus aber nur kurz an, denn ohne lange Einleitung legen Porcupine Tree los – und wie…
Den Anfang und ersten Teil des Konzerts bildet das komplette neue Album „The Incident“ mit vom Publikum hoch gefeierten Stücken wie „Time Flies“. In dem Bruchteil einer Sekunde schaffen Porcupine Tree es, ihr Publikum in eine andere Welt zu entführen. Perfekt von den Visuals geleitet, von minutenlangen Instrumentals umgarnt, entsteht eine Atmosphäre, wie nur sie sie schaffen können. Auch die Wirkung auf das Publikum ist einzigartig: Es gibt kein Pogen, kein Moshen, ausnahmslos jeder der Tausenden steht auf seinem Platz und lauscht andächtig.
10 Minuten Pause nach der ersten, besonnenen Hälfte des Konzerts räumen Porcupine Tree sich ein, der Countdown auf der Leinwand zählt mit und ebenso die Fans, die auf die härteren Stücke warten, auf die Masterriffs zum Nachspielen zu Hause.
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Und sie werden natürlich nicht enttäuscht: Der zweite Teil fällt wesentlich schneller aus, endlich sind auch die Fans restlos überzeugt, die Porcupine Tree wegen ihrer metallischen Seiten lieben. Den glänzenden Abschluss des fast zweistündigen Ausflugs ins Land des „Stachelschweinbaums“ macht „The Sound Of Muzak“, mit hymnisch vom Publikum gesungenem Refrain. Als Endlos-Zugabe (mit eingeschobenem Geburtstagsständchen für einen Freund) gibt es dann als Sahnebonbon den Porcupine Tree-Klassiker schlechthin: „Trains“.
Nach über zweieinhalb Stunden perfekter Performance bedanken sich Wilson & Co. noch brav bei ihren Promotern, ihrem ganzen Team und stellen jedes Bandmitglied vor. Das packt auf eine riesige Begeisterungswelle wegen der Show die Freude, dass die Jungs auch noch verdammt sympathisch sind und man verlässt das Palladium nur mit einem Gedanken: Dass die Stachelschweine so schnell wie möglich wiederkommen mögen nach Köln, ihrem „spiritual home in Germany“.

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