Archive for Dezember 2009

Kölns Kunst & Kultur zur Weihnachtszeit

20. Dezember 2009
KlüngelpützJe öfter die Temperaturen sich in den letzten Tagen dem Nullpunkt nähern, desto größer wird die Lust, die Abende einfach im kuscheligen Zuhause zu verbringen. Um zu verhindern, dass Du Deine Couch gar nicht mehr verlässt, haben wir Dir in dieser Ausgabe unseres Kultur-Magazins die besten Events aus dem dünnen Dezember-Programm herausgesucht. Die Ausstellung Von wegen Heilige Nacht zeigt die festlichen Tage in einem ungewohnt unromantischen Licht, indem sie ihre Verwendung in diktatorischer Propaganda erklärt, während die Lesebühne Rock ’n‘ Read mit ihrer Tauschbörse gleich nach den Feiertagen eine Möglichkeit zur Entsorgung wenig geliebter Geschenke bietet.
Weitere Ausstellungen und Theaterstücke der nächsten Wochen, die Dich vor die Tür locken könnten, findest Du im aktuellen Kunst & Kultur-Magazin!

Dein Wochenende in Köln: Trix&Flix, Rote Liebe, Kommune 1…

17. Dezember 2009

Kommune 1 vs. ZoomTechno, HipHop oder Rap? Gerappter Techno oder technoider HipHop? Das Genre, das Jake The Rapper auffährt, ist wirklich nicht leicht zu beschreiben, genauso wie der opulente New Yorker selbst. Sicher ist jedoch, dass seine musikalische Mischung in Deutschland ankommt und ihn schon zum Fusion-Festival oder der ehemaligen Bar25 geführt hat und das Publikum zu seinen beatlastigen Sets gerne exzessiv die Tanzfläche stürmt. Davon kann man sich am Samstag bei der Kommune 1 vs. Zoom selbst überzeugen, wenn Jake The Rapper neben dem Kölner Duo Malk den Stadtgarten bespielt. Wer mehr HipHop und weniger bis gar keinen Techno bevorzugt, hat dieses Wochenende mehrere Auswahlmöglichkeiten: Trix & Flix für Sportfreunde, Crème Flash für Partyaffen oder der Voodoo Voodoo Club für Fans von schwarzer Musik – überall gibt es tanzbare Mischungen aus Funk, Rap und Breakbeats.
Weitere Parties an diesem Wochenende gibt es im aktuellen Nachtleben-Magazin!

Kölns Konzerte der nächsten Wochen: Peaches, Turbostaat und Dellé…

13. Dezember 2009

Ebony Bones Titelbild Ein zugegebenermaßen etwas verfrühtes Weihnachtsgeschenk flattert Dir heute mit dieser Ausgabe unseres Konzert-Magazins in den Posteingang: Denn Dellé tritt ganz ohne seine Bandkollegen von Seeed im Gloria auf und jeder, der an diesem Wochenende schon genug gefeiert hat oder ganz einfach den Eintritt sparen will, kann sich das Konzert in unserem Livestream ansehen. Also einzige Aufgabe bis Konzertbeginn um 21.10 Uhr: Freunde einladen oder sich‘s auf der Couch allein gemütlich machen, entspannen – und trotzdem live dabei sein! Wie immer findest Du in der aktuellen Ausgabe des Konzert-Magazins die besten Konzerte der nächsten zwei Wochen, bei denen an dieser Stelle noch ein Hinweis auf die weibliche Starbesetzung gemacht werden muss: Mit Peaches, die ihr neues Album „I feel cream“ vorstellt, und dem neuen Londoner Hype Ebony Bones sind gleich zwei absolute Ausnahmekünstlerinnen vertreten.

Julian Plenti | Kulturkirche Köln | 8.12.09

10. Dezember 2009

Verflixte Physik. Am liebsten würde man an einer holographischen Konferenzschaltung teilnehmen. In Köln gibt es nämlich heute wieder so ein publikumsspaltendes Mega-Konzertaufgebot. Wahrscheinlich wäre der Auftritt von Julian Plenti, dem unsere ungeteilte Aufmerksamkeit an diesem Dienstag Abend gilt, selbst dann nicht ausverkauft, wenn der Kopf von Interpol mit Julian Casablanca und Jack White sein eigenes Super-Projekt angeleiert hätte. Denn in der Domstadt ist Massenauflauf der amerikanischen Indie-Götter: Julian Plenti spielt zeitgleich mit Mark Lanegans Soulsavers im Gebäude 9 und der Super-Super-Super-Band Them Crooked Vultures (nicht wahr: Dave Grohl, Josh Homme, John Paul Jones)  im standesgemäß ausverkauften Palladium. Mal abgesehen davon ist Paul-Julian Banks Soloprojekt wohl auch noch nicht all zu bekannt. Egal, dafür darf er mit Abstand in der schönsten Location der Stadt aufschlagen.
Julian Plenti
Die Kulturkirche ist also nur dreiviertel gefüllt und die Leute eher erwartend als euphorisch. Daran kann auch die New Yorker Vorband I’m in You nichts ändern, deren experimenteller Postrock mit Geigeneinsatz zwar wie geschaffen für diese Location ist, an manchen Stellen aber etwas disharmonisch klingt.

Julian Plenti braucht – wie erwartet – etwas, bevor er sich mit seiner zusammengewürfelten Band im Altarraum blicken lässt. Dann gibt es allerdings eine Überraschung nach der anderen. Die „Diva“ der Indie-Rock-Welt kommt ungewohnt leger in Kapuzenpulli auf die Bühne, stört sich nur kurz am unausgepegelten Mikro und startet dann tatsächlich mit einem Cover-Song! J Dillas „Mythsizer“ in nicht sehr aufregender Form, das machen aber eine ziemlich großartige Version von „Into the White“ – Pixies-Cover sind das ja meistens nicht – und dem America Song „A horse with no name“, den der gebürtige Brite dankenswerter Weise ohne den nervigen Laalaalaalalalaa-Refrain interpretiert, im Laufe des Konzerts ungeschehen.

Seine eigenen Songs von „Julian Plenti…is skyscraper“ wirken live – ebenfalls wie erwartet – atmosphärisch und druckvoll, was in der Kulturkirche auch noch optisch unterstrichen wird. „Skyscraper“ und „Only If You Run“ haben unglaublich hypnotische und gleichzeitig wahnsinnig energetische Momente, die schon auf der Platte direkt den Brustbereich sprengen könnten. Dazu die durchdringende manchmal wimmernde Stimme Plentis, die besonders bei Titeln wie „On The Esplanade“ und „Fun That We Have“ ihre Facetten zeigt. Letzteres ist auch eines der Lieder, die am stärksten „interpolisch“ genannt werden können und auf das die Leute am meisten „abgehen“. Beides hier in Anführungszeichen, weil zum einen Paul Banks solo durchgehend seinen großen Einfluss auf alle Interpol-Werke zeigt und, weil zum anderen die gestische Zustimmung des Publikums über teilweise stärkeres Kopfnicken selbst nach der Stunde Show nicht hinausgeht – auch wenn man bei der letzten Zugabe, „Games For Days“, doch noch einige lautstärkere Äußerungen vernimmt. Natürlich ist die Musik auch nicht maßgeblich dazu gemacht. In instrumentalen Einlagen, Balladen und eklatanten Taktbrüchen in den schnelleren Stücken wird schließlich immer wieder Geschwindigkeit rausgenommen und außerdem rockt man in der Kulturkirche eben nicht so enthemmt (bis auf den Begleitgitarristen im ärmellosen T-Shirt, der anscheinend das Gastspiel bei Julian Plenti mit seinem Traum-Auftritt – vermutlich bei Mötley Crüe – verwechselt hat).

Nach dem letzten Song geht alles ganz schnell. Zufriedenes Klatschen, höfliches Dankeschön, schneller Abgang. Jedoch mit musikalischer Rundum-Befriedigung.

Vielleicht ging es ja noch zu einer Party mit den anderen Bands des Abends. Ob und wo so ein imaginärer Musikheldengipfel stattgefunden haben könnte, blieb uns unbekannt. Und gottseidank gab es ihn auch nicht mehr, denn dort hätte sich wohl Glanz und Gloria in vollkommen irrealer Übersteigerung selbst negiert und der sympathische Auftritt von Julian Plenti wäre vergessen. Zu viel ist halt auch nicht gut.

Dein Wochenende in Köln: klickklackklub, 123 Rakete, Rheinfeuern…

10. Dezember 2009

Nur noch zwei Wochen bis zu den besinnlichen Tagen des Jahres – das merkt man auch am Wochenende, an dem es viele schon etwas ruhiger angehen lassen und sich das Kölner Nachtleben langsam aber sicher auf die Weihnachtsfeiern im Büro und Glühwein trinken auf dem Weihnachtsmarkt verlagert. Wer aber keine Lust hat, sich draußen mit weihnachtlichen Getränken Kopfschmerzen zu holen oder Peinlichkeiten mit dem Chef vermeiden will, hat natürlich trotzdem die Chance, die letzten Tage des Jahres in einem warmen Club zu verbringen. Zum Beispiel im ARTheater, in dem sich am Freitag die Resident-DJs des klickklackklubs versammeln und mit Minimal und Techno die Feiertage einläuten. Die ganze Nacht mit einem Mann gibt es am Samstag in der Barracuda Bar, in der man der Kölner DJ-Koryphäe Irwin Leschet beim Mixen zuschauen und natürlich tanzen kann. Weitere Parties an diesem Wochenende findest Du im aktuellen Nachtleben-Magazin!

Adenauer im Theater und David Lynch stellt aus…

6. Dezember 2009
David LynchPolitiker beklagen oft das wachsende Desinteresse und die Lethargie der deutschen Jugend, wenn es um ihr Engagement in der Politik geht. Ob die Haltung junger Wähler aber tatsächlich so anders ist, wie sie vor 60 Jahren war, untersucht jetzt das Theaterstück Adenauer trifft Generation Y, indem es Jugendliche von heute mit Zeitzeugen der ersten Bundestagswahl ´49 zusammenbringt. Weniger politisch aufklärend als düster-bizarr sind hingegen die Kunstwerke, die David Lynch zurzeit im Max-Ernst-Museum zeigt. Der weltberühmte Regisseur präsentiert seine verstörenden Zeichnungen, Bilder und Fotografien erst zum zweiten Mal in Deutschland, doch auch einige seiner frühen Kurzfilme werden gezeigt. Welche Veranstaltungen Dir in den nächsten Wochen noch die dunklen Abende versüßen und ein paar Tipps, die Dich ganz sanft auf die Feiertage einstimmen, findest Du in der aktuellen Ausgabe des Kunst&Kultur-Magazins!

Porcupine Tree, Palladium Köln, 2.12.09

5. Dezember 2009

Was da direkt vor Beginn des Porcupine Tree-Konzerts von der Bühne schallt, würde schon genügen um die Masse auf einem Durchschnittskonzert zum Buhen zu bringen: Alle mitgebrachten Fotoapparate mussten schon am Eingang abgegeben werden, jetzt folgt die eindringliche Warnung: Wer trotz des Verbotes Video- oder Fotoaufnahmen macht, muss das Konzert sofort verlassen. Gott sei Dank ist das aber kein durchschnittliches Konzert und so steht die gut durchmischte Konzertmeute weiterhin ruhig, teilweise sogar bestätigend mit dem Kopf nickend, vor der Bühne. Viele hier sehen so aus, als seien sie direkt von ihrem Job als Versicherungsberater ins Palladium aufgebrochen: Nadelstreifenhemden, säuberlich in die Hose gesteckt, teilweise mit ihrer Ehefrau als Begleitung oder dem schon jugendlichen Nachwuchs. Natürlich ist aber auch die andere Seite dieser Generation vertreten, die eher so aussieht, als habe sie gar keinen Job. Die meisten Konzertbesucher unter 30, die eindeutig in der Unterzahl sind, scheinen hingegen ihre Bandprobe zur Huldigung einer Koryphäe an diesem Feiertag ins Palladium verlegt zu haben. Die härteren Parts in Songs wie „Anesthetize“ bringen sie zu wilden Luftgitarrenriffs und begeisterten „Hast Du das gehört?“-Ausrufen in Richtung ihrer vornehmlich männlichen Begleiter.
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Doch zunächst einmal lassen Porcupine Tree auf sich warten. Der Auftritt der Vorband Stick Men wird eigentlich nur genutzt, um die letzte Zigarette im beengten Raucherbereich des Palladiums zu genießen oder sich für die Hauptband perfekt in der großen Halle zu positionieren. Als dann nach geraumer Wartezeit endlich Steven Wilson und seine vier Mitstreiter die Bühne betreten, hält der Applaus aber nur kurz an, denn ohne lange Einleitung legen Porcupine Tree los – und wie…
Den Anfang und ersten Teil des Konzerts bildet das komplette neue Album „The Incident“ mit vom Publikum hoch gefeierten Stücken wie „Time Flies“. In dem Bruchteil einer Sekunde schaffen Porcupine Tree es, ihr Publikum in eine andere Welt zu entführen. Perfekt von den Visuals geleitet, von minutenlangen Instrumentals umgarnt, entsteht eine Atmosphäre, wie nur sie sie schaffen können. Auch die Wirkung auf das Publikum ist einzigartig: Es gibt kein Pogen, kein Moshen, ausnahmslos jeder der Tausenden steht auf seinem Platz und lauscht andächtig.
10 Minuten Pause nach der ersten, besonnenen Hälfte des Konzerts räumen Porcupine Tree sich ein, der Countdown auf der Leinwand zählt mit und ebenso die Fans, die auf die härteren Stücke warten, auf die Masterriffs zum Nachspielen zu Hause.
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Und sie werden natürlich nicht enttäuscht: Der zweite Teil fällt wesentlich schneller aus, endlich sind auch die Fans restlos überzeugt, die Porcupine Tree wegen ihrer metallischen Seiten lieben. Den glänzenden Abschluss des fast zweistündigen Ausflugs ins Land des „Stachelschweinbaums“ macht „The Sound Of Muzak“, mit hymnisch vom Publikum gesungenem Refrain. Als Endlos-Zugabe (mit eingeschobenem Geburtstagsständchen für einen Freund) gibt es dann als Sahnebonbon den Porcupine Tree-Klassiker schlechthin: „Trains“.
Nach über zweieinhalb Stunden perfekter Performance bedanken sich Wilson & Co. noch brav bei ihren Promotern, ihrem ganzen Team und stellen jedes Bandmitglied vor. Das packt auf eine riesige Begeisterungswelle wegen der Show die Freude, dass die Jungs auch noch verdammt sympathisch sind und man verlässt das Palladium nur mit einem Gedanken: Dass die Stachelschweine so schnell wie möglich wiederkommen mögen nach Köln, ihrem „spiritual home in Germany“.

Dein Wochenende in Köln: Total Confusion, electronic love, Silberschwein…

3. Dezember 2009

Einmal zum Mond und zurück – Das Berliner Duo Luna City Express hegt tatsächlich den Wunsch, einmal auf dem Nachtgestirn aufzulegen. Bis es soweit ist, kann man sich bei der Electronic Love am Samstag zu ihrem tanzbaren House-Set erstmal metaphorisch zum Mond tanzen. Wer nicht gleich übers Ziel hinausschießen möchte oder eine Art Motivation zum ekstatischen Tanzen braucht, kann sich bei der Total Confusion vor der Party mit dem Dokumentarfilm Speaking in Code einstimmen. Auch bei der Indie Fresse gibt es vor den DJs noch ein Vorprogramm, allerdings mit weniger Techno oder House, sondern mehr Ska und Rock, live gespielt von zwei lokalen Bands.
Weitere Parties an diesem Wochenende findest Du wie gewohnt im aktuellen Nachtleben-Magazin!