The Editors im Palladium

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Die Editors in Köln – ein Pflichttermin. Seit September warten Fans auf die Live-Tauglichkeit des neuen Albums “In This Light And On This Evening”, denn das ließ Außergewöhnliches vermuten. Im Gegensatz zu den Vorgängern geben sich die Editors neuerdings nämlich gewollt/gekonnt elektronisch.  Dementsprechend traf sich vergangene Woche das lokale Konzertfolk der Stadt mal wieder im Palladium.

Dabei gab es am selben Abend auf der anderen Straßenseite im E-Werk ein ganz besonderes musikalisches Spektakel. Europe läuteten gerade den Countdown zu ihrer vierten Deutschlandshow ein. Zunächst war die Hallenverteilung andersherum gedacht, was in der Besucherzahl auch seine Berechtigung gefunden hätte. In Sichtweite zum angestrebten Ziel war ich mir dann bei dem Menschenauflauf vor dem E-Werk linkerhand gegenüber den paar Grüppchen vor dem Palladium auch nicht so ganz sicher, wohin. Doch nach einem Blick auf den jeweiligen Altersdurchschnitt hielt ich mich rechts. bild

Die Erklärung für die ungleichen Mengenverhältnisse gaben die zwei hervorragenden Vorbands (Wintersleep und The Maccabees), die den Einlasstermin auf zwei Stunden vor ‚normal‘ vorgezogen hatten. Europe bleiben damit eine merkwürdig pathetische, dauergewellte Kindheitserinnerung. Aber genug Pathos gab es schließlich auch im Palladium. Sänger Tom Smith ließ kräftig den Rockstar raushängen – was ihm allerdings ziemlich gut stand. Mit einer Theatralik, als ob es der letzte Auftritt wäre, drückte er die 20 Songs der Setliste förmlich in die Halle und erntete reichlich Anerkennung im Publikum. Das prämierte natürlich vor allem die älteren Stücke mit besonderer Begeisterung, aber auch „Papillon“ oder „Eat Raw Meat = Blood Drool“ lösten in der LED geblendeten Menge ergebene Jubelchöre aus. Dennoch zeigten die Editors insgesamt, dass sie keine Hit-Band im klassischen Sinne sind. Alle Songs ergaben ein zu stimmiges Bild als das man bewusst auf die bekannten Reißer gewartet hätte. Das Fehlen von „Munich“ oder eben „Papillon“ wäre z.B. kaum aufgefallen, wäre die Zugabe nicht gewesen.

Obgleich sich die Gruppe mit prägnanten Wave-Anleihen neuerdings einiges traut. Sie können das ihren Fans jedoch glaubhaft verkaufen. Die frischen Synthie-Klänge sind außerdem verdammt wohltuend, befreit sich die Band damit vom vergangenen, ganz okayen Editors-Standard und gleichzeitig ein wenig mehr von den allgegenwärtigen Interpol-Joy Division-Vergleichen. Und allen skeptischen Kommentaren im Vorfeld zum Trotz konnte – überspannt von der gewohnt sonoren Stimme Smith‘ – spätestens am Donnertag auch der letzte Veränderungsphobiker sanft auf den neuen Stil eingeschworen werden.

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