Kasabian

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„Die Synergie oder der Synergismus bezeichnet das Zusammenwirken von Lebewesen, Stoffen oder Kräften im Sinne von „sich gegenseitig fördern“ bzw. einen daraus resultierenden gemeinsamen Nutzen.“ Beim Konzert ist der Genuss der gemeinsame Nutzen. Wenn Band und Publikum wollen, können sie gemeinsam sehr viel mehr rausholen, als gute Abendunterhaltung. Und bei Kasabian im Speziellen stimmte an diesem Mittwoch in der Live Music Hall einfach die Kommunikation.
Image and video hosting by TinyPicNatürlich waren die vier Briten viel zu spät. Selbst diejenigen, die das musische Viertel ernstgenommen hatten (das ja im Gegensatz zum akademischen Pendant gerne einmal ein- bis eineinhalb Stunden dauern kann), akzeptierten schon fast den DJ als Haupt-Act, der mutterseelenallein vor dem Monster-Equipment von Kasabian seine Plattenspieler – sehr souverän – mit ziemlich guter 60s Mukke belegte. Bis dann doch noch die Band eintrudelte, ganz lässig mit dem Auto durch das Vordertor, und sich nach einem gefühlten Zweitages-Soundcheck auf die Bühne begab. Außer ein paar fliegenden Bierbechern, die auch als jugendlich-überschäumender Enthusiasmus gewertet werden konnten, war aber ab der ersten Note des B-Seiten Songs „Julie and the Mothman“ kein Groll mehr zu spüren.
Irgendwie war alles sympathisch. Sogar die LMH selbst – nicht meine Lieblings-Location, nicht für Parties und bestimmt nicht für Konzerte – hatte trotz mäßigem Klang, der angestrengt verheimlichten Dorfdiskoatmosphäre und den völlig realitätsfernen Getränkepreisen fast ein bisschen Charme.
Beim zweiten Stück, „Underdog“, hatte sich der Raum gut ge- aber keineswegs überfüllt. Und das mit einem unterhaltsam gemischten Publikum. Sowohl alters-, stil- und motivationsmäßig war hier alles vertreten – vor allem bezeichnenderweise überproportional viele Engländer. Spätestens beim tanzbar-beklemmenden „Where Did All The Love Go?“ wuchs die heterogene Versammlung dann zu einer Masse zusammen, an der sich Sänger Tom Meighan – ganz ungewohnt im Militärlook, frisch frisiert, mit langem Ledermantel – sichtlich anzutörnen begann. Und sein Spaß an der ausrastenden Menge hielt den ganzen Abend. Steigerte sich sogar noch zu punktuell angedeuteter Verlegenheit, auf die das Publikum seinerseits mit noch mehr Gejohle reagierte. Seine Kollegen hielten erst noch ein wenig zurück, mit Ausnahme von Ian Matthews, der wirkte wie Animal von den Muppets. Jay Mehler schien hinter seiner Sonnenbrille latent genervt, Chris Edwards musste sich auch erstmal eingewöhnen und Hauptsongschreiber Sergio Pizzorno kam trotz lautstarken Liebesbekundungen (erwachsener) weiblicher Zuschauer merkwürdig schüchtern rüber. Das war allerdings schnell passé und tat außerdem dem Charisma der Band sowieso keinen Abbruch. Mit einer Selbstüberzeugung, wie man es bei Auftritten von z.B. Oasis erwarten konnte (ach, vergessen: „Oasis have gone. WE are the biggest Band in Britain now!“), gaben sie dem Publikum genau das, was es wollte. Und das bedankte sich bei jedem einzelnen Stück mit frenetischem Jubel. Selbst bei denen, die auf CD eigentlich weniger eigenständig funktionieren wie die Krautrock-Reminiszenz „Swarfiga“. Nicht zu halten waren die Leute dann bei „Fire“ und „Vlad The Impaler“, die live die Erwartungen noch doppelt übertrafen. Erwartungsgemäße Euphorie auch bei „Club Foot“ und vor allem dem Hit der ersten Platte, „L.S.F.“, das – ganz klar – die Zugabe als Sahnehäubchen abschloss und der Gruppe den gebührend tosenden Abschied verschaffte. Draußen hatte fast jeder noch den ein oder anderen Refrain auf den Lippen. Kasabian für Kopf und Füße eben. Von diesem Abend dürfte tatsächlich jeder etwas gehabt haben.

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