Gefährliche Liebschaften im Theater am Sachsenring – Letzte Inszenierung!

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Zwei Frauen vergewaltigen einen Mann. Die eine setzt sich auf sein Gesicht, während die andere ihm unverfroren und mit Ankündigung den „Finger ins Arschloch steckt“, der Arme windet sich, er schreit, doch aus der vaginalen Hölle gibt es kein Entkommen. Dies ist nur eine von vielen vor Erotik berstenden Szenen in der Inszenierung der Gefährlichen Liebschaften am Theater am Sachsenring. Mit Choderlos de Laclos Briefroman greift Regisseur Joe Knipp auf eine literarische Vorlage aus dem Jahr 1782 zurück, die mehr Sex- und Genderdiskussionen bietet, als alle Sex and the City-Folgen zusammen.
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Die Geschichte der Marquise Isabelle Merteuil, die sich als unverheiratete Adlige mit eben so viel Hingabe ihrer Lust hingibt wie ihren intriganten Spielereien, wurde schon häufig für den Film überarbeitet. Glenn Close und John Malkovich stritten sich über Michelle Pfeiffer, zehn Jahre später trieb Sarah Michelle Gellar ihr laszives Spiel mit Ryan Phillippe und Reese Witherspoon und stürzte damit Millionen Mädchen in einen pubertären Weinkrampf vorm Fernseher. Ein Stück, das schon oft adaptiert und interpretiert wurde und deswegen auf modernen Bühnen heute häufig nur noch sehr abstrakt umgesetzt wird.
Von einer modernen Umsetzung mit Stoffpenisen und Hasenkostümen, wie sie Anfang des Jahres im Deutschen Theater Berlin aufgeführt wurde, hat sich das Ensemble am Sachsenring dankenswerterweise ferngehalten. Nichts als ein Klavier, auf dem Valmont immer wieder spielt, und ein paar Sitzgelegenheiten, die ständig verrückt und herumgeschleudert werden, zieren die Bühne. Auch die drei Schauspieler tragen keine ausgefallenen Kostüme: Die Marquise de Merteuil (Rebecca Madita Hundt) trägt ein kurzes Schwarzes, hochgeschlossen aber verrucht bis zur Hüfte geschlitzt, der Vicomte de Valmont (David Koch) nimmt in einfachem Beinkleid und altmodischem Rüschenhemd am Klavier Platz. Nur Katja Gorst, die in kurzem Tüll-Kleidchen auf die Bühne tritt, greift neben ihrem knappen Outfit immer wieder zu einem schwarzen Tuch und wechselt mit diesem ihre Rolle. Trägt sie das Tuch um die Schultern und die Haare offen, ist sie Madame Trouvel, die fromme und treue Frau einer der ehemaligen Geliebten der Marquise de Merteuil. Ständig versucht und verführt von Valmont, der sich das Ziel gesetzt hat, sie seiner Trophäensammlung hinzuzufügen, bleibt sie lange standhaft. Cecile de Volanges hingegen, in die sich Katja Gorst verwandelt, wenn sie das Tuch ablegt und sich ihre Haare zu Zöpfen links und rechts am Kopf zusammengebunden hat, hat dem leidenschaftlichen Stürmen des Vicomtes nicht so viel entgegenzusetzen. Gerade erst 15 und ebenso naiv-dümmlich wie sie langsam ihren Text rezitiert, kann sie sich dem nächtlich eindringenden Vicomte nicht erwehren, worauf Vergewaltigungsszene Nummer Zwei folgt.
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Sowieso wird in dem Stück gevögelt, was der alte Choderlos hergibt: Der Vicomte mit der Trouvel und dem kleinen Naivchen, obwohl er ja ursprünglich die Marquise will, die aber ist mit dem Danceny zu Gange, der seine Finger auch im Höschen der jungen Cecile hat. Dass bei solch ungeheuerlichem Hedonismus und bitterbösem Intrigenspiel kein Happy End herauskommen kann, ist vorgezeichnet. Und so kommt es, wie es kommen muss: Der Vicomte erhält von Danceny die Aufforderung zum Duell, kaum hat er den Brief geöffnet, sinkt er auf der Bühne des Sachsenrings in seinem Stuhl zusammen. Übrig bleibt die Marquise Merteuil, die dem Publikum starr gerade ausblickend in wenigen – den letzten – Worten des Stückes, ihre eigene Zukunft nach dem Tod des Vicomtes schildert: Ihr schönes Gesicht von den schwarzen Pocken zerfressen und ausgestoßen aus der Pariser Gesellschaft, findet sie ihr wohlverdientes Ende in der Isolation.
Den Schauspielern des Ensembles am Sachsenring bieten die Gefährlichen Liebschaften eine letzte Möglichkeit gemeinsam aufzutreten, bevor das Theater im Dezember aus Finanzierungsproblemen schließen muss. Und mit ihrem körperbetonten, vor allem auch unter der Gürtellinie glaubwürdigen Spiel beweisen sie, dass in wenigen Wochen nicht nur eine wunderschöne Location, sondern auch ein begabtes, aufeinander eingespieltes Ensemble sein Zuhause verliert.

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