Archive for November 2009

Peter Doherty,K.I.Z., Virginia Jetzt & Motörhead in Köln…

29. November 2009

KIZ Titelbild In seinem letzten Monat schenkt uns das Jahr 2009 eine wirklich aufsehenerregende Bandauswahl im Konzertbereich: Mit Porcupine Tree ist in der nächsten Woche eine Progrock-Band zu Gast, die in der Szene wohl eine Völkerwanderung nach Köln auslösen wird. Schnell Karten kaufen, heißt es da für jeden, der als Erstes den Songs vom neuen Album „The Incident“ live lauschen will. Auf eine ganz andere Art und Weise erregen die Jungs von K.I.Z. Aufsehen: Bei den Berliner Rappern sind es weniger musikalische Qualitäten als skandalöse Songtexte, die auch die Live Music Hall am nächsten Wochenende in einen pogenden, pornösen Hexenkessel verwandeln werden. Alle anderen Empfehlungen für die nächsten Wochen, von Soul über deutschen Pop bis hin zu Rap-Metal, findest Du wie immer im aktuellen Konzert-Magazin!

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Dieses Wochenende in Köln: Television, LIKE, BergWacht…

26. November 2009

Television rules the nation – Unter diesem Motto lädt die Television Party am Freitag mal wieder in den Bogen 2 ein, um das geliebte Hassmedium als Deko- und Visualsthema für eine Electroparty mit lokalen Talenten zu nutzen. Weniger fürs Auge, aber viel für die Ohren gibt es ebenfalls am Freitag beim 200 Club, der sich mit seinen Techno-DJs so langsam im Kölner Nachtleben etabliert und regelmäßig eine ganze Menge Leute ins Studio 672 lockt. Wer lieber zu souligen Funk und HipHop Beats tanzt, kann das am Samstag bei der La Nuit de Phonque tun,  die bekanntlich zu den wenigen Parties dieses Genres gehört. Die Smile im Gloria Theater zählt unter dem Label Technoparty zwar nicht zu einer Seltenheit,  fährt mit Tobias Thomas dieses Wochenende aber wieder ein sehenswertes Line-Up auf. Weitere Parties an diesem Wochenende findest Du im aktuellen Nachtleben-Magazin.

Süße Glocken und Glühwein mal anders…

22. November 2009
Foto…Weihnachtszeit – besinnliche Zeit? Wenn man einen Blick auf die Weihnachtsmärkte am Rudolfplatz, Neumarkt oder gar dem Domplatz wirft, kommen beim Anblick der Menschenmassen schnell Zweifel daran auf. Doch es gibt auch einige Märkte, die mit besonderem Konzept und selbstgefertigten Produkten für wahre Weihnachtsstimmung sorgen. Wie zum Beispiel der Weihnachtsmarkt im Stadtgarten, der mit liebevollen Handarbeiten und Bio-Glühwein die Fahne für gute Qualität und ein charmantes Ambiente hochhält. Ganz anders ist da die Idee, die hinter Holy.Shit.Shopping steckt: Statt Christkindl-Lieder und Porzellanfiguren gibt’s hier die Trends junger Designer, musikalisch begleitet von loungigen Sets namhafter DJs. Shoppen in Clubatmosphäre eben, und das in einer riesigen und verblüffenden Auswahl an Verrücktheiten. Wo du sonst noch ausgefallene Geschenke findest oder deinen Glühwein in aller Ruhe genießen kannst, erfährst du in diesem Special unseres Magazins.

The Editors im Palladium

20. November 2009

Die Editors in Köln – ein Pflichttermin. Seit September warten Fans auf die Live-Tauglichkeit des neuen Albums “In This Light And On This Evening”, denn das ließ Außergewöhnliches vermuten. Im Gegensatz zu den Vorgängern geben sich die Editors neuerdings nämlich gewollt/gekonnt elektronisch.  Dementsprechend traf sich vergangene Woche das lokale Konzertfolk der Stadt mal wieder im Palladium.

Dabei gab es am selben Abend auf der anderen Straßenseite im E-Werk ein ganz besonderes musikalisches Spektakel. Europe läuteten gerade den Countdown zu ihrer vierten Deutschlandshow ein. Zunächst war die Hallenverteilung andersherum gedacht, was in der Besucherzahl auch seine Berechtigung gefunden hätte. In Sichtweite zum angestrebten Ziel war ich mir dann bei dem Menschenauflauf vor dem E-Werk linkerhand gegenüber den paar Grüppchen vor dem Palladium auch nicht so ganz sicher, wohin. Doch nach einem Blick auf den jeweiligen Altersdurchschnitt hielt ich mich rechts. bild

Die Erklärung für die ungleichen Mengenverhältnisse gaben die zwei hervorragenden Vorbands (Wintersleep und The Maccabees), die den Einlasstermin auf zwei Stunden vor ‚normal‘ vorgezogen hatten. Europe bleiben damit eine merkwürdig pathetische, dauergewellte Kindheitserinnerung. Aber genug Pathos gab es schließlich auch im Palladium. Sänger Tom Smith ließ kräftig den Rockstar raushängen – was ihm allerdings ziemlich gut stand. Mit einer Theatralik, als ob es der letzte Auftritt wäre, drückte er die 20 Songs der Setliste förmlich in die Halle und erntete reichlich Anerkennung im Publikum. Das prämierte natürlich vor allem die älteren Stücke mit besonderer Begeisterung, aber auch „Papillon“ oder „Eat Raw Meat = Blood Drool“ lösten in der LED geblendeten Menge ergebene Jubelchöre aus. Dennoch zeigten die Editors insgesamt, dass sie keine Hit-Band im klassischen Sinne sind. Alle Songs ergaben ein zu stimmiges Bild als das man bewusst auf die bekannten Reißer gewartet hätte. Das Fehlen von „Munich“ oder eben „Papillon“ wäre z.B. kaum aufgefallen, wäre die Zugabe nicht gewesen.

Obgleich sich die Gruppe mit prägnanten Wave-Anleihen neuerdings einiges traut. Sie können das ihren Fans jedoch glaubhaft verkaufen. Die frischen Synthie-Klänge sind außerdem verdammt wohltuend, befreit sich die Band damit vom vergangenen, ganz okayen Editors-Standard und gleichzeitig ein wenig mehr von den allgegenwärtigen Interpol-Joy Division-Vergleichen. Und allen skeptischen Kommentaren im Vorfeld zum Trotz konnte – überspannt von der gewohnt sonoren Stimme Smith‘ – spätestens am Donnertag auch der letzte Veränderungsphobiker sanft auf den neuen Stil eingeschworen werden.

Dein Wochenende in Köln: Select Closing, Mittanzgelegenheit, Trix & Flix…

19. November 2009
Die Idee, Fotoausstellung und Party zu vereinen, trifft man in Köln momentan öfters an. Trotzdem gibt es kaum eine Party, die dieses Konzept so konsequent umsetzt wie die Select. Schade, dass sie diesen Freitag zum letzten Mal in den Bogen 2 einlädt. Dafür bietet sie zum Closing ein extra interessantes Ausstellungsthema und DJs, sodass der Abschied weniger schwer fallen sollte. Ebenfalls am Freitag findet für Brettsportinteressierte wieder die Trix & Flix statt, die zuerst einen Snowboardfilm präsentiert und den Sensor Club anschließend mit Breakbeat und HipHop zum Tanzen bringt. Weitere Parties an diesem Wochenende findest Du wie immer im aktuellen Nachtleben-Magazin!

Tegan and Sara, Samy Deluxe & Gossip in Köln…

15. November 2009

Die Tage werden immer kürzer, das Wetter immer ungemütlicher – Da ist ein Abend mit erstklassiger Livemusik im Kreise Gleichgesinnter genau das Richtige, um die dunkle Herbststimmung zu vertreiben. Perfekt geeignet ist da mit bittersüßem Herzschmerz das Konzert der Zwillinge Tegan and Sara, das wegen der großen Nachfrage schon vom Gloria ins E-Werk verlegt wurde. Wem das dann doch etwas zu poppig ist, der kann sich mit Samy Deluxe und Afrob in der LMH vergnügen und das sogar kostenlos – mit etwas Glück bei unserer Freikartenverlosung. Freunde von etwas härterer Gitarrenmusik werden hingegen bei Biffy Clyro oder A Place to Bury Strangers fündig, die ihren Rocksound mit irrwitzigen Effekten versehen. Welche Konzerte in den nächsten Wochen noch geeignet sind, die gute Laune voran zu treiben, siehst Du im aktuellen Konzert-Magazin.

Dein Wochenende in Köln: 123 Rakete, Birdy Nam Nam, Odonien…

13. November 2009

Wer den gestrigen Karnevalsbeginn ohne größere Schäden überstanden oder diesen einfach gar nicht mitgefeiert hat, kann heute Abend direkt loslegen oder eben weiter feiern: In einem mexikanischen Restaurant experimentieren die lokalen DJ-Größen Hans Nieswandt und David Hasert beim Frühstyle mit ihren elektronischen Sets – und das kostenlos. Nicht kostenlos, aber trotzdem nicht umsonst, ist die Coke DJ-Culture im Gloria, bei der die französischen Talente von Birdy Nam Nam den Plattenspieler als Musikinstrument benutzen und das Publikum damit zum ausgiebigen Tanzen bringen. Ebenfalls am Samstag öffnet das Odonien noch einmal seine Türen und lädt zum Freaking Out ein. Ausgerüstet mit einer Warm Bar, Heißgetränken und einem ellenlangen Line-Up kann man hier bis mindestens 14 Uhr zu Electro & Trance feiern.
Weitere Parties an diesem Wochenende findest Du wie gewohnt im Nachtleben-Magazin.

Theater, Filmfestivals & Ausstellungen in Köln..

9. November 2009
FotoDer Gehalt des Fernsehprogramms scheint ständig zu sinken – wo man auch hinzappt, strahlen einem nichts als schlecht gespielte Supernannies, Angeklagte und Schuldnerberater entgegen. Kein Wunder, dass intelligente Shows rar, aber sehr gefragt sind. Wie zum Beispiel das scharfzüngige WDR-Polit-Kabarett Mitternachtsspitzen. Wo und wann man an die begehrten Karten zur Liveshow im Alten Wartesaal kommt, erfährst Du in diesem Magazin. Auch auf der Bühne lassen sich nur selten wirklich neue Ideen finden, doch eine davon hat der Raketenklub zurzeit zu bieten: In Alien 5.0 wird die schöne Hollywood-Glitzerwelt mit Horrorfilm-Szenarien konfrontiert und offenbart tiefe Einsichten in ihre Nachtseiten. Wer doch eher Lust darauf hat, seine Seele beim Trödel baumeln zu lassen, der darf die Kuchenplatte nicht verpassen, bei der am späten Nachmittag frische Waffeln, Platten und Klamotten feil geboten werden. Weitere aufheiternde Unterhaltung für düstere Novembertage findest Du wie immer in unserem Kunst & Kultur-Magazin, mit vielen Freikartenverlosungen zu Theaterstücken und Filmfestivals.

Gefährliche Liebschaften im Theater am Sachsenring – Letzte Inszenierung!

6. November 2009

Zwei Frauen vergewaltigen einen Mann. Die eine setzt sich auf sein Gesicht, während die andere ihm unverfroren und mit Ankündigung den „Finger ins Arschloch steckt“, der Arme windet sich, er schreit, doch aus der vaginalen Hölle gibt es kein Entkommen. Dies ist nur eine von vielen vor Erotik berstenden Szenen in der Inszenierung der Gefährlichen Liebschaften am Theater am Sachsenring. Mit Choderlos de Laclos Briefroman greift Regisseur Joe Knipp auf eine literarische Vorlage aus dem Jahr 1782 zurück, die mehr Sex- und Genderdiskussionen bietet, als alle Sex and the City-Folgen zusammen.
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Die Geschichte der Marquise Isabelle Merteuil, die sich als unverheiratete Adlige mit eben so viel Hingabe ihrer Lust hingibt wie ihren intriganten Spielereien, wurde schon häufig für den Film überarbeitet. Glenn Close und John Malkovich stritten sich über Michelle Pfeiffer, zehn Jahre später trieb Sarah Michelle Gellar ihr laszives Spiel mit Ryan Phillippe und Reese Witherspoon und stürzte damit Millionen Mädchen in einen pubertären Weinkrampf vorm Fernseher. Ein Stück, das schon oft adaptiert und interpretiert wurde und deswegen auf modernen Bühnen heute häufig nur noch sehr abstrakt umgesetzt wird.
Von einer modernen Umsetzung mit Stoffpenisen und Hasenkostümen, wie sie Anfang des Jahres im Deutschen Theater Berlin aufgeführt wurde, hat sich das Ensemble am Sachsenring dankenswerterweise ferngehalten. Nichts als ein Klavier, auf dem Valmont immer wieder spielt, und ein paar Sitzgelegenheiten, die ständig verrückt und herumgeschleudert werden, zieren die Bühne. Auch die drei Schauspieler tragen keine ausgefallenen Kostüme: Die Marquise de Merteuil (Rebecca Madita Hundt) trägt ein kurzes Schwarzes, hochgeschlossen aber verrucht bis zur Hüfte geschlitzt, der Vicomte de Valmont (David Koch) nimmt in einfachem Beinkleid und altmodischem Rüschenhemd am Klavier Platz. Nur Katja Gorst, die in kurzem Tüll-Kleidchen auf die Bühne tritt, greift neben ihrem knappen Outfit immer wieder zu einem schwarzen Tuch und wechselt mit diesem ihre Rolle. Trägt sie das Tuch um die Schultern und die Haare offen, ist sie Madame Trouvel, die fromme und treue Frau einer der ehemaligen Geliebten der Marquise de Merteuil. Ständig versucht und verführt von Valmont, der sich das Ziel gesetzt hat, sie seiner Trophäensammlung hinzuzufügen, bleibt sie lange standhaft. Cecile de Volanges hingegen, in die sich Katja Gorst verwandelt, wenn sie das Tuch ablegt und sich ihre Haare zu Zöpfen links und rechts am Kopf zusammengebunden hat, hat dem leidenschaftlichen Stürmen des Vicomtes nicht so viel entgegenzusetzen. Gerade erst 15 und ebenso naiv-dümmlich wie sie langsam ihren Text rezitiert, kann sie sich dem nächtlich eindringenden Vicomte nicht erwehren, worauf Vergewaltigungsszene Nummer Zwei folgt.
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Sowieso wird in dem Stück gevögelt, was der alte Choderlos hergibt: Der Vicomte mit der Trouvel und dem kleinen Naivchen, obwohl er ja ursprünglich die Marquise will, die aber ist mit dem Danceny zu Gange, der seine Finger auch im Höschen der jungen Cecile hat. Dass bei solch ungeheuerlichem Hedonismus und bitterbösem Intrigenspiel kein Happy End herauskommen kann, ist vorgezeichnet. Und so kommt es, wie es kommen muss: Der Vicomte erhält von Danceny die Aufforderung zum Duell, kaum hat er den Brief geöffnet, sinkt er auf der Bühne des Sachsenrings in seinem Stuhl zusammen. Übrig bleibt die Marquise Merteuil, die dem Publikum starr gerade ausblickend in wenigen – den letzten – Worten des Stückes, ihre eigene Zukunft nach dem Tod des Vicomtes schildert: Ihr schönes Gesicht von den schwarzen Pocken zerfressen und ausgestoßen aus der Pariser Gesellschaft, findet sie ihr wohlverdientes Ende in der Isolation.
Den Schauspielern des Ensembles am Sachsenring bieten die Gefährlichen Liebschaften eine letzte Möglichkeit gemeinsam aufzutreten, bevor das Theater im Dezember aus Finanzierungsproblemen schließen muss. Und mit ihrem körperbetonten, vor allem auch unter der Gürtellinie glaubwürdigen Spiel beweisen sie, dass in wenigen Wochen nicht nur eine wunderschöne Location, sondern auch ein begabtes, aufeinander eingespieltes Ensemble sein Zuhause verliert.

Kasabian

6. November 2009

„Die Synergie oder der Synergismus bezeichnet das Zusammenwirken von Lebewesen, Stoffen oder Kräften im Sinne von „sich gegenseitig fördern“ bzw. einen daraus resultierenden gemeinsamen Nutzen.“ Beim Konzert ist der Genuss der gemeinsame Nutzen. Wenn Band und Publikum wollen, können sie gemeinsam sehr viel mehr rausholen, als gute Abendunterhaltung. Und bei Kasabian im Speziellen stimmte an diesem Mittwoch in der Live Music Hall einfach die Kommunikation.
Image and video hosting by TinyPicNatürlich waren die vier Briten viel zu spät. Selbst diejenigen, die das musische Viertel ernstgenommen hatten (das ja im Gegensatz zum akademischen Pendant gerne einmal ein- bis eineinhalb Stunden dauern kann), akzeptierten schon fast den DJ als Haupt-Act, der mutterseelenallein vor dem Monster-Equipment von Kasabian seine Plattenspieler – sehr souverän – mit ziemlich guter 60s Mukke belegte. Bis dann doch noch die Band eintrudelte, ganz lässig mit dem Auto durch das Vordertor, und sich nach einem gefühlten Zweitages-Soundcheck auf die Bühne begab. Außer ein paar fliegenden Bierbechern, die auch als jugendlich-überschäumender Enthusiasmus gewertet werden konnten, war aber ab der ersten Note des B-Seiten Songs „Julie and the Mothman“ kein Groll mehr zu spüren.
Irgendwie war alles sympathisch. Sogar die LMH selbst – nicht meine Lieblings-Location, nicht für Parties und bestimmt nicht für Konzerte – hatte trotz mäßigem Klang, der angestrengt verheimlichten Dorfdiskoatmosphäre und den völlig realitätsfernen Getränkepreisen fast ein bisschen Charme.
Beim zweiten Stück, „Underdog“, hatte sich der Raum gut ge- aber keineswegs überfüllt. Und das mit einem unterhaltsam gemischten Publikum. Sowohl alters-, stil- und motivationsmäßig war hier alles vertreten – vor allem bezeichnenderweise überproportional viele Engländer. Spätestens beim tanzbar-beklemmenden „Where Did All The Love Go?“ wuchs die heterogene Versammlung dann zu einer Masse zusammen, an der sich Sänger Tom Meighan – ganz ungewohnt im Militärlook, frisch frisiert, mit langem Ledermantel – sichtlich anzutörnen begann. Und sein Spaß an der ausrastenden Menge hielt den ganzen Abend. Steigerte sich sogar noch zu punktuell angedeuteter Verlegenheit, auf die das Publikum seinerseits mit noch mehr Gejohle reagierte. Seine Kollegen hielten erst noch ein wenig zurück, mit Ausnahme von Ian Matthews, der wirkte wie Animal von den Muppets. Jay Mehler schien hinter seiner Sonnenbrille latent genervt, Chris Edwards musste sich auch erstmal eingewöhnen und Hauptsongschreiber Sergio Pizzorno kam trotz lautstarken Liebesbekundungen (erwachsener) weiblicher Zuschauer merkwürdig schüchtern rüber. Das war allerdings schnell passé und tat außerdem dem Charisma der Band sowieso keinen Abbruch. Mit einer Selbstüberzeugung, wie man es bei Auftritten von z.B. Oasis erwarten konnte (ach, vergessen: „Oasis have gone. WE are the biggest Band in Britain now!“), gaben sie dem Publikum genau das, was es wollte. Und das bedankte sich bei jedem einzelnen Stück mit frenetischem Jubel. Selbst bei denen, die auf CD eigentlich weniger eigenständig funktionieren wie die Krautrock-Reminiszenz „Swarfiga“. Nicht zu halten waren die Leute dann bei „Fire“ und „Vlad The Impaler“, die live die Erwartungen noch doppelt übertrafen. Erwartungsgemäße Euphorie auch bei „Club Foot“ und vor allem dem Hit der ersten Platte, „L.S.F.“, das – ganz klar – die Zugabe als Sahnehäubchen abschloss und der Gruppe den gebührend tosenden Abschied verschaffte. Draußen hatte fast jeder noch den ein oder anderen Refrain auf den Lippen. Kasabian für Kopf und Füße eben. Von diesem Abend dürfte tatsächlich jeder etwas gehabt haben.