Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson, Premiere (9.09.09), Horizont Theater

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Kim Anderson setzt sich eine blaue Strickmütze auf, ist plötzlich zwölf Jahre alt und schreit seine Mutter an, weil er nach draußen spielen gehen will. Im nächsten Moment ist er wieder erwachsen, er stellt sich neben den Diaprojektor in der Ecke, wirft ein neues Bild an die Wand und denkt über die Menschen in seiner Vergangenheit nach. Kim Anderson spielt Hasse Karlsson, den tragischen Helden eines Henning Mankells Roman.
Die wichtigsten Personen in Hasses Kindheitserinnerung sind seine Mutter (Astrid Rempel) und Schwalbe (Janosch Roloff), der heißverehrte Freund aus seiner Jugendzeit. Schwalbe ist anders als alle anderen Kinder, er hat Träume, er will hoch hinaus, er will sich niemals langweilen und vor allem will er eins: Rache üben. Dieser diffuse Spruch aus einem Kindermund, der für seinen Durst nach Rache selbst keine Begründung liefern kann, führt dazu, dass Hasse und Schwalbe ein fatales Spiel beginnen. Ein Opfer muss her, ein Sündenbock, ein Ziel für die grausame Rache des Schwalbe und so legen sich die beiden Jungen auf der Eisenbahnbrücke ihres kleinen Ortes auf die Lauer.

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Drei Frauen betreten in den folgenden Tagen die Brücke. Egal ob altes Weib, entstelltes Mädchen oder religiöse Fanatikerin, sie alle fallen einem Streich der Jungen zum Opfer. Doch von Streich zu Streich gehen Hasse und Schwalbe einen Schritt weiter, werden immer brutaler. Was mit einem harmlosen Scherz beginnt, endet mit einer grausamen Lüge, die einer Frau das Leben kostet.
Doch die Eisenbahnbrücke, nur vom Dia-Projektor an die Wand geworfen, ist nicht der einzige Schauplatz des Geschehens. Immer wieder wird man in Hasses Zimmer versetzt und beginnt zu ahnen, warum die Handlung so eskaliert. Man hört wie die Mutter verzweifelt nach dem Vater schreit, der depressiv im Keller Äpfel schält. Man sieht, dass auch Hasses Mutter hin- und hergerissen ist zwischen der glücklichen Erinnerung an ihre jungen Tage auf See und ihrem Ende als Kellnerin in einer Kneipe. Über den Umgang ihres Sohnes mit Schwalbe, dem Sohn reicher Eltern, kann sie nur verbittert den Kopf schütteln.
Wer Henning Mankell nur von seinen Krimis kennt, sollte keine falschen Erwartungen hegen. „Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson“ lässt schon beim Titel keinen Raum für Diskussionen, wer denn nun der Täter sein könnte. Es geht weniger um kriminalistisches Gespür und eine spannende Handlung, sondern darum, wie Gewalt unter Jugendlichen entsteht, wie sie eskaliert und warum man manchmal nicht mehr zurück kann, auch wenn man das noch so gerne möchte.

Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson, Horizont Theater am Ebertplatz, alle Termine und Zeiten hier!

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