Paul Armfield, King Georg, 20.08.09

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Image and video hosting by TinyPicDer Unterschied zwischen Optik und Sound könnte an diesem Abend im King Georg nicht krasser ausfallen: Mit Paul Armfield nimmt ein 2-Meter-Riese mit einigem Körperumfang und mächtigem Rauschebart Platz hinterm Mikro, von dem man alles erwartet, nur nicht die große Sanftheit, mit der er seine Songs anstimmt. Sein Timbre ist unglaublich warm, die Gitarre spielt er zart und leise, bei einem Lied packt er sogar eine Säge aus und geigt darauf wehmütige Melodien.
Der sympathische Hüne erobert die Herzen seiner Zuhörer im Sturm. Besonders wenn er von seiner Heimat, der Isle of Wight erzählt, fühlt man sich, als säße man mit ihm vorm Kamin oder in seinem Lieblingspub, während vor der Tür schwere Nebelschwaden übers Land ziehen. Gerade seine Heimat ist immer wieder Thema in den Songs, die er im King Georg exklusiv von seinem neuen Album „Blood, Fish & Bone“ vorstellt: Egal ob es das für die Isle of Wight typische Getränk „Sloe Gin“, also Schlehenschnaps, ist, das einer seiner traurigen Weisen über einen verlassenen Liebhaber seinen Namen gab, oder das sehnsüchtige „Missing The Last Boat Home“. Der Musiker, der nebenher auch einen Buchladen besitzt, verewigt sogar einen Isle of Wight´schen Lokalmatadoren, indem er ein Gedicht von Alfred Lord Tennyson vertont.
Zwischen den Songs hebt er immer wieder das Weizenbier, das an seiner Seite steht, und erklärt kurz, warum oder wie genau der folgende Song entstanden ist. Sogar wenn er dabei von tragischen Schicksalen wie dem seiner kürzlich verstorbenen Freundin Susan erzählt, bleibt immer ein kleines Zwinkern in seinen Augenwinkeln, so wie in seiner Musik trotz aller Traurigkeit, Wehmut und Sehnsucht immer eine große Prise Ironie zu spüren ist.
Das Publikum sitzt, schweigt und genießt seine Klänge irgendwo zwischen Folk, Chanson, Soul und etwas Country. So konzentriert, dass Paul Armfield ihnen als „really well behaved audience“ 10 Punkte auf der Richterskala verleiht. Als er nach den drei Zugaben, die er ohne langes Rumgeklatsche einfach unmittelbar nach seinem letzten Song spielt („This is my last song- then I´ll do three more“), von seinem Podest direkt zur Theke schreitet, fordert das Publikum dennoch mehr. Natürlich kann der sanfte Riese nicht widerstehen und gibt zwei der stärksten Stücke vom neuen Album zum Besten, das tödlich-romantische „The Only One“ und „Run“. Dann kehrt er zurück zur Theke, zündet sich eine Zigarette an und plaudert, sobald der Applaus verebbt ist, herzlich und angeregt mit jedem, der ihn anspricht.
Im Oktober kehrt Paul Armfield schon wieder nach Deutschland zurück, ob er es aber nach Köln schafft, steht noch in den Sternen. Für Freunde von sanften Tönen á la Lambchop oder den Tindersticks sind seine Konzerte mehr als empfehlenswert, so wie für jeden, der einen der sympathischsten Musiker live erleben will, die es auf Gottes weiter Erde wohl gibt.

Mehr Fotos vom Konzert findet ihr hier!

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