Die c/o pop am Donnerstag: Patrick Wolf

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Der Donnerstagabend dürfte schon jetzt der bunteste und ereignisreichste Abend im Programm der c/o pop gewesen sein. Dafür sorgte, wie nicht anders vorherzusehen, Patrick Wolf und vor allem der frühzeitige Abbruch seines Auftritts durch die Veranstalter. Aber eins nach dem anderen: Außer dem dramatischen Ende gibt es schließlich noch andere Highlights von diesem Konzert zu berichten.
Eines von ihnen ist mit Sicherheit die Performance von Support-Act Steve Strange. Nichtsahnend steht man vor der Bühne, die Ungeduld steigt langsam, schließlich wurde der Einlass schon um eine halbe Stunde nach hinten verschoben und drinnen wartet man jetzt schon genau so lang. Das Rumstehen wird hier aber nicht so schnell zur zermürbenden Zerreißprobe wie auf anderen Konzerten, denn das Publikum bietet einige optische Anreize zur Ablenkung und Diskussion. Viele der Fans scheinen sich nämlich weniger der Musik von Patrick Wolf als mit Herz und Seele seinem extrovertierten Kleidungsstil verschrieben zu haben. Riesige Schleifen im Lady Gaga-Stil, unglaubliche Frisuren, Haarfarben in allen Variationen und Klamotten, bei denen sich viele Normalsterbliche fragen, ob das überhaupt Kleidungsstücke sein sollen- der Offenbachplatz hat wohl noch nie eine so große Ansammlung schräger Vögel gesehen.
Eine zittrige Stimme unterbricht das Gestalten-Gucken und überrascht geht der Blick zur Bühne: Ist das schon Patrick? Nein, er ist es nicht. So oder so ähnlich könnte er aber in gefühlten 1000 Jahren aussehen. Steve Strange steht auf der Bühne und stellt sich vor. Sein Outfit ist nicht nur ein Bild für die Götter, sondern auch für die Lachmuskeln: Er trägt eine bunte Perücke mit misslungenem Vokuhila-Schnitt, sein blau-glänzender Ganzkörperanzug entblößt bei jeder Rechtsdrehung ein elegantes Bauchweg-Unterhöschen über gespanntem Alt-Männer-Bauch. Er erzählt dem leicht verwirrten Publikum von seiner Drogensucht, dem Tod seines Freundes Michael Hutchence, einem Brand, der ihm all seinen Besitz nahm und den zwei Platinalben, die ihm verliehen wurden. Spätestens an dieser Stelle dämmert es dann auch dem Letzten: Das ist die Vorband, nicht der Moderator, nicht ein geistig verwirrter Fan und auch nicht Patricks Vater. Micachu&The Shapes, die eigentlich als Support geplant waren, kommen nicht und machen Platz für dieses Urgestein des Pop. Denn das ist Steve Strange ohne Zweifel, ganz gleich wie abgehalftert und alt er inzwischen wirkt. Als Sänger der Gruppe Visage feierte er in den 80ern riesige Erfolge und schrieb Musikgeschichte mit Hits wie „Fade To Grey“, die auch heute noch auf jeder Trashpop-Party laufen. Dass die Zeit, in der Steve Strange in über 20 Ländern zeitgleich einen Nummer 1-Hit landete, schon in ferner Vergangenheit liegt, wird bei seiner Bühnenperformance aber mehr als deutlich. Nicht nur seine gestammelte Ansprache, auch seine zittrigen Bewegungen erinnern stark an Ozzy Osbourne bei seinen letzten Konzerten. Nur dass Strange sich nicht wie dieser verzweifelt am Mikrofon festklammert, sondern- so gut es eben geht- tanzt, hüpft und wild gestikuliert. Teile seines  Gesangs werden vom Band eingespielt, was offensichtlich wird, als Steve immer wieder seinen Einsatz verpasst und sich seine Lippen nicht ganz textsicher zum Song bewegt. Bei diesem skurrilen Anblick schwankt die Stimmung im Publikum von köstlich amüsiert bis hin zu tief schockiert. Nach einem Outfit-Wechsel spielt Strange tatsächlich noch „Fade to Grey“ und räumt dann den Platz hinterm Mikro für die jüngere Generation.
Beinahe zwei Stunden nach dem eigentlich angekündigten Beginn stolziert Patrick Wolf dann endlich auf die Bühne. Sein Outfit ist wie gewöhnlich ungewöhnlich: Er trägt eine halblange, rote Hose, darunter karierte Kniestrümpfe, um seinen Kopf baumelt eine Pferdetrense. Ein rotes Oberteil, das am Rücken ausgestopft ist, verleiht ihm außerdem große Ähnlichkeit mit dem Glöckner von Notre Dame. Von dem divenhaften Auftreten, das Musikrezensenten ihm immer wieder bescheinigen, ist im Umgang mit den Fans trotz extravagantem Look aber nichts zu spüren. Jungenhaft strahlt er zwischen den Songs ins Publikum und bedankt sich freundlich auf Deutsch.
Natürlich ist seine Show ein wahrer Augenschmaus. Doch auch musikalisch beweist Patrick Wolf, was er kann. Bei vielen Stücken übernimmt der Multiinstrumentalist den Piano-Part selber oder hängt sich für einige Akkorde die Gitarre um. Die Dame rechts von ihm, die ihn auf einer filigranen E-Geige unterstützt, sorgt außerdem für einen recht vollen Streicherklang. Die lange und doch auslaugende Wartezeit ist wohl erst einmal schuld daran, dass es ein wenig dauert, bis Bewegung in die Reihen vor der Bühne kommt. Als aber monumentale Hits vom neuen Album wie „Vulture“ oder „Hard Times“ erklingen, bringt das Folk-Elektro-Gemisch die Menge schnell in Stimmung.
Damit ist schlagartig Schluss, als ein Veranstalter nach knapp einer Stunde Konzert die Bühne betritt und Patrick Wolf zuflüstert, dass er sofort aufhören muss, zu spielen. Die Regelung der Stadt Köln, dass auf öffentlichen Plätzen, wie der Offenbachplatz eben einer ist, nach 22.00 Uhr keine laute Musik gespielt werden darf, leuchtet weder den Fans noch Patrick Wolf ein. Nachdem er den Überbringer der schlechten Nachricht als „motherfucking bitch“ bezeichnet hat, kündigt er unter dem Applaus der Zuschauer einen weiteren Song an und empfiehlt: „And you fucking ask your money back!“. Als ihm sogar dieses letzte Lied verwehrt und der Verstärker einfach ausgestellt wird, befördert er kurzerhand in wahrer Rock´n´Roll-Manier Mikrofon, Ständer, Stuhl und jede Menge Spucke in Richtung der Verantwortlichen. Mit einem Achselzucken wendet er sich entschuldigend an seine Fans: „I tried so hard!“. Dann folgt ein letzter Mittelfinger-Gruß in die Ecke der Tontechniker und Patrick Wolf verlässt erbost die Bühne. Zu Recht erbost über eine unsinnige Regelung und ihre strikte Umsetzung, natürlich. Hätte das Konzert allerdings wie erwartet um sieben Uhr und nicht erst um kurz vor neun begonnen, hätte er sich den ganzen Ärger auch sparen können.

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2 Antworten to “Die c/o pop am Donnerstag: Patrick Wolf”

  1. hilariousawesomness Says:

    Geilste Reaktion ever! Die haben das SOOOO verdient. Scheiss spießer. Das war nicht mal richtig laut, die stellen sich so an.

    „hätte er sich den ganzen Ärger auch sparen können. “ Er war ja bestimmt ncith schuld, dass es so lange gedauert hat.

    Wenn schon nicht Micachu , dann hätten sie sich auch diesen Crackhead sparen können und direkt mit Wolf anfangen.

  2. COPOP Says:

    DA HAT DIE C/O POP DIE ZUNGE WIEDER TIEF IM ARSCH DER STADT GEHABT…
    VON WG. ROCK’N’ROLL…DA DENKT MAN NUR ANS NÄCHSTE JAHR UND BLOß
    KEINEN ÄRGER RISKIEREN WG. 5MINUTEN MUSIK

    ZUM KOTZEN

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