Archive for August 2009

United Respect, LanxessArena, 22. 08. 2009

25. August 2009

Image and video hosting by TinyPicWer an diesem Wochenende über das City-Festival der gamescom gelaufen ist und  keine Freikarten für United Respect in der LanxessArena angeboten bekommen hat, der war eindeutig in der Minderheit. Um am Abend dennoch zu einem beachtlichen Line-Up elektronischer Tanzmusik eine flotte Sohle aufs Parkett legen zu können blieb noch die Investition von 44€ zzgl. Vorverkaufsgebühr. Oder man entschloss sich kurzerhand einfach hinzufahren, um vielleicht am Einlass noch ein, zwei der begehrten Tickets zu ergattern. Wenn man allerdings während einer Viertelstunde vor der LanxessArena gleich dreimal angesprochen wird, ob noch Interesse an Tickets besteht, dann lässt das schon den einen oder anderen Zweifel an der eigenen Abendplanung aufkommen. Man sollte also nicht nach dem Preis fragen und sich anschließend ärgern, dass man für sein Ticket das 3-fache ausgegeben hat.
Das Line-Up an diesem Abend konnte sich dennoch sehen lassen. Neben den Pacha-Residents Axwell und David Guetta aus Ibiza sollten Lexy und K.Paul sowie das Elektro-Urgestein DJ Hell für ordentlich Mucke sorgen. Wer erst zu später Stunde eingerückt ist, hat direkt mal Lexy und K.Paul verpasst, die um Mitternacht die Segel strichen. Die LanxessArena als Location sollte an dem Abend gut besucht sein. Offizielle Meldungen gingen im Voraus von 12 000 Besuchern aus. Damit sollte dieser Event schon besuchertechnisch in einer anderen Liga spielen als ein normaler Samstag in einem Kölner Elektro-Spot. Allerdings ließ der erste Eindruck ziemlich schnell vermuten, dass diese Zahlen an dem Abend dann doch nicht erreicht wurden. Der Stimmung tat´s im Vorfeld keinen Abbruch. Die Licht- und Pyroshows, besonders vorm Auftritt von David Guetta, waren der Hingucker und man spürte förmlich wie jeder auf dem Mainfloor endlich die ersten Beats herbeisehnte. Dabei ging das Motto des Abends “United Respect – The Key Is Humanity” ein wenig in der Erwartungshaltung einer allgemeinen Party-Euphorie unter. Ob nun wirklich zu martialischen Bässen, Feuersäulen und pyrotechnischen Effekten bewegte Bilder von zerbombten Häusern über die drei Riesenleinwände flimmern sollten, während vereinzelt Leute die Bierbecher durchs Bild schwenkten und „Jawoll“ schrien, damit Guetta und Co. endlich auflegen, ist sicher nicht ganz durchdacht gewesen. Und auch die, wie mit dem erhobenen Zeigefinger schwenkenden, „We-are-one-World-Ansagen“ der Robo-Voice wirkten wie beim The Dome für Erwachsene. Klimaschutz, Nächstenliebe und eine Mega-Elektro-Party sollten vielleicht ein wenig anders arrangiert werden.
Aber eine Mega-Elektro-Party war es dann dennoch. Lexy und K.Paul mussten sich ganz schön ins Zeug legen, um die Vor-dem-DJ-Pult-Steher und Kopfnicker zum exzessiven Abdancen zu bewegen. Spätestens als dann aber mit viel Brimborium endlich der Lead-Act David Guetta auf die gut 30 Meter breite Bühne turnte, war die Menge am Ausrasten und Guetta sah sich genötigt, mit einer Klettereinlage auf den Mischpulten die Massen zum Mitklatschen zu animieren, während dem Veranstalter der kalte Angstschweiß auf der Stirn stand. Auch die großspurig angekündigte Tara McDonald sprang auf hochhackigen Schuhen und in rotem Sommerkleid auf dem Tresen hin und her, aber ihr Auftritt geriet ein wenig kurz, sodass die durchaus hörbaren Live-Vocals der begabten Engländerin ein wenig untergingen. Leider konnte das den allmählich spürbaren Verlust an Publikum nicht aufhalten und waren schon nach der mageren Dreiviertelstunde des Berlin-Dresdner Duos Lexy und K.Paul die ersten auf dem Heimweg, wurde es nach Guetta nicht besser. Sein DJ-Kumpel Axwell gab sich alle Mühe aber über mehr als ambitioniertes Pflichtprogramm kam seine Performance nicht hinaus. Die Lücken auf dem zunehmend riesig erscheinenden Dancefloor ließen den Funken nicht mehr richtig überspringen und die Traube der technoiden Discojünger vor der DJ-Kanzel schrumpfte merklich. Wer jetzt noch da war, dem war die Endzeitstimmung auf dem Mainfloor völlig egal oder gerade recht, der wollte DJ Hell an den Knöpfen schrauben hören. Bis sechs Uhr hielt der harte Kern durch, dann begannen die ersten betrunkenen Partygänger Pfand zu sammeln, um sich mit dem Taxi nachhause chauffieren zu lassen. Wer jetzt noch nicht genug hatte, der konnte sich noch die Afterhour im Nachtflug geben oder bei milden Wetter nachhause schlendern.
In Erinnerung bleibt ein eigentlich perfekt organisierter Mega-Event. Nichts erregte Grund zum Anstoß, die Akustik war überdurchschnittlich für die Größe des Spots, man musste nirgends unzumutbar lange anstehen, es konnte geraucht werden und war nicht zu warm, vor allem das Line-Up war top, Lichtshow und Gesamteindruck einmalig. Aber am Ende fehlte eben der besondere Finger-Schnipp, das absolute „Wow-war-das-ne-Nacht-Gefühl“ kam am Morgen danach jedenfalls nicht auf.

Dhoop Garden, jeden Montag, Underground

25. August 2009

Image and video hosting by TinyPicDer ganze Biergarten ist mit Matratzen und buntbezogenen Kissen ausgelegt, auf den niedrigen Tischen flackern Kerzen, in den Bäumen hängen leuchtende Lampions- man braucht schon mehr als einen Blick, um das Underground an einem Montagabend wiederzuerkennen. Der Laden, der als letzter Notnagel heißgeliebt wird, wenn Portemonnaie oder Partyprogramm nichts mehr hergeben, ist ansonsten ja eher für seine schlichte bis nicht vorhandene Dekoration bekannt. Dem ein oder anderen mag die große Buddha-Figur im Vorhof bereits aufgefallen sein, allerdings wirkt sie an Wochenenden unter der Partymeute ein wenig fehl am Platz und dient meist nur zur Entspannung totgetanzter Füße. Montags hingegen passt diese Buddha-Statue perfekt ins Bild. Mit dem Dhoop Garden bringt das Underground nämlich einmal in der Woche orientalischen Flair nach Köln. Und das mit den einfachsten Mitteln: Die Tische sind eigentlich umgedrehte Bierkästen, die Kerzen einfache Teelichter und doch ist die Atmosphäre mehr als gelungen entspannt. Während in angenehmer Lautstärke Musik von chilligen Elektroklängen bis hin zu ruhigen Reggaesounds läuft, wird hier einfach rumgesessen, geraucht und angeregt geplaudert. Wenn man Glück hat, erscheint sogar ein Spezialitätenhändler, der afrikanische Gerichte anbietet. Netterweise ist der Eintritt im Underground auch zum Dhoop Garden kostenlos, so dass rote Zahlen auf dem Bankauszug wenigstens für den Montagabend kein Hindernis darstellen. Ein Tipp für alle, die ausgehen, sich dabei trotzdem unterhalten und noch dazu so wohl fühlen wollen, dass sie gar nicht mehr nach Hause gehen möchten.

Mehr Fotos vom Dhoop Garden findest Du hier!

Kölns Konzerte der nächsten Wochen: Spinnerette, Der Tante Renate, uvm.

24. August 2009

Nachdem die c/o pop die Konzerthallen Kölns wieder verlassen hat, kommen im Konzertprogramm der folgenden Wochen vor allem Freunde handgemachter Gitarrenmusik auf ihre Kosten: Punk-Darling Brody Dalle feiert mit ihrer neueImage and video hosting by TinyPicn Band Spinnerette ihr Debutrelease im Luxor, ebenso wie The Airborne Toxic Event ihre hochgelobte erste Platte im Gebäude 9 vorstellen. Außerdem gibt die Blueslegende James Blood Ulmer im Stadtgarten ihr einziges Deutschlandkonzert, für das Du mit etwas Glück sogar Freikarten gewinnen kannst. Mit dabei im Freikarten-Angebot ist auch das Konzert von Norman Kolodziej alias Der Tante Renate, der das Publikum mit seinem eigenwilligen Indie-Elektro-Punk-Mix mit Sicherheit zum Tanzen bringen wird. Wesentlich ruhiger, dafür aber auch vollkommen kostenlos tritt Tocotronic-Frontmann Dirk von Lowtzow mit seinem Nebenprojekt Phantom/Ghost in der Galerie Daniel Buchholz auf. Vorbeischauen lohnt sich also auf jeden Fall!

Weitere Konzerte und Infos dazu findest Du hier!

Paul Armfield, King Georg, 20.08.09

21. August 2009

Image and video hosting by TinyPicDer Unterschied zwischen Optik und Sound könnte an diesem Abend im King Georg nicht krasser ausfallen: Mit Paul Armfield nimmt ein 2-Meter-Riese mit einigem Körperumfang und mächtigem Rauschebart Platz hinterm Mikro, von dem man alles erwartet, nur nicht die große Sanftheit, mit der er seine Songs anstimmt. Sein Timbre ist unglaublich warm, die Gitarre spielt er zart und leise, bei einem Lied packt er sogar eine Säge aus und geigt darauf wehmütige Melodien.
Der sympathische Hüne erobert die Herzen seiner Zuhörer im Sturm. Besonders wenn er von seiner Heimat, der Isle of Wight erzählt, fühlt man sich, als säße man mit ihm vorm Kamin oder in seinem Lieblingspub, während vor der Tür schwere Nebelschwaden übers Land ziehen. Gerade seine Heimat ist immer wieder Thema in den Songs, die er im King Georg exklusiv von seinem neuen Album „Blood, Fish & Bone“ vorstellt: Egal ob es das für die Isle of Wight typische Getränk „Sloe Gin“, also Schlehenschnaps, ist, das einer seiner traurigen Weisen über einen verlassenen Liebhaber seinen Namen gab, oder das sehnsüchtige „Missing The Last Boat Home“. Der Musiker, der nebenher auch einen Buchladen besitzt, verewigt sogar einen Isle of Wight´schen Lokalmatadoren, indem er ein Gedicht von Alfred Lord Tennyson vertont.
Zwischen den Songs hebt er immer wieder das Weizenbier, das an seiner Seite steht, und erklärt kurz, warum oder wie genau der folgende Song entstanden ist. Sogar wenn er dabei von tragischen Schicksalen wie dem seiner kürzlich verstorbenen Freundin Susan erzählt, bleibt immer ein kleines Zwinkern in seinen Augenwinkeln, so wie in seiner Musik trotz aller Traurigkeit, Wehmut und Sehnsucht immer eine große Prise Ironie zu spüren ist.
Das Publikum sitzt, schweigt und genießt seine Klänge irgendwo zwischen Folk, Chanson, Soul und etwas Country. So konzentriert, dass Paul Armfield ihnen als „really well behaved audience“ 10 Punkte auf der Richterskala verleiht. Als er nach den drei Zugaben, die er ohne langes Rumgeklatsche einfach unmittelbar nach seinem letzten Song spielt („This is my last song- then I´ll do three more“), von seinem Podest direkt zur Theke schreitet, fordert das Publikum dennoch mehr. Natürlich kann der sanfte Riese nicht widerstehen und gibt zwei der stärksten Stücke vom neuen Album zum Besten, das tödlich-romantische „The Only One“ und „Run“. Dann kehrt er zurück zur Theke, zündet sich eine Zigarette an und plaudert, sobald der Applaus verebbt ist, herzlich und angeregt mit jedem, der ihn anspricht.
Im Oktober kehrt Paul Armfield schon wieder nach Deutschland zurück, ob er es aber nach Köln schafft, steht noch in den Sternen. Für Freunde von sanften Tönen á la Lambchop oder den Tindersticks sind seine Konzerte mehr als empfehlenswert, so wie für jeden, der einen der sympathischsten Musiker live erleben will, die es auf Gottes weiter Erde wohl gibt.

Mehr Fotos vom Konzert findet ihr hier!

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Circus Flic Flac – Underground

21. August 2009

Image and video hosting by TinyPicZwei riesige Hamsterräder drehen sich jeweils am Ende einer langen Stahlstange, in jedem von ihnen läuft ein Mann und treibt das Rad durch pure Muskelkraft vorwärts. 14 Meter schwebt jedes Hamsterrad an der höchsten Stelle über dem Boden und doch laufen Tito Vanegas und William Patino nicht nur im Inneren, sie klettern über die Stahlkonstruktion, laufen außen am Rad entlang, schlagen Salti und verbinden sich trotz der wahnsinnigen Schnelligkeit und Höhe sogar die Augen. Dann, plötzlich, ein Stolperer von Tito Vanegas, er schwankt, er wankt- und fängt sich. Das Publikum schreit zuerst, dann atmet es erleichtert auf und bricht in tosenden Applaus aus.
Dieses „Todesrad“, das schon Flic Flac-Gründer Benno Kastein todesmutig bestieg, ist ein Beispiel, das den etwas anderen und ganz sicher nicht konservativen Stil des Flic Flac beschreibt. Brüllende Löwen, Clowns mit roten Nasen und Ballerinas im Tutu, die ein wenig Akrobatik vorführen, sind komplett aus der Arena verbannt worden. Hier ist jede Performance 100% Adrenalin, 100% Show. Eingebettet in eine kurze Geschichte, die zu Anfang in wenigen Sätzen von Sänger Frank Fabry erläutert und schon da mit einem fulminanten Auflauf aller Mitwirkenden verdeutlicht wird, führen die Artisten des Flic Flacs ein Spektakel auf, das für manch einen Geschmack etwas zu dick aufgetragen ist. Dazu trägt vor allem bei, dass Frank Fabry nach der theatralischen Einleitung nicht das Feld räumt, sondern immer wieder auftaucht und ganze Auftritte mit seinem sehr lauten und leider klar an Rammstein orientierten Gesang begleitet.
Dabei haben die großartigen Artisten eigentlich gar kein Drumherum nötig, befindet sich unter ihnen doch die Crème de la Crème der Zirkuswelt. Nicht nur Turner aus der kirgisischen Nationalmannschaft schwingen sich hier am Reck, auch die Töchter von Benno Kastein begeistern mit ihren herausragenden, wenn auch grundverschiedenen Darbietungen. Larissa Kastein, 21 Jahre alt, entzündet in der Arena ein Feuerwerk des Sexappeals und lässt den ein oder anderen Herren im Publikum erst einmal die Ehefrau auf dem Platz neben ihm vergessen. Lasziv räkelt sie sich an der Stange, was für Erwachsene sehr schön anzusehen, für Kinderaugen aber etwas zu stark zum Tabledance tendiert. Wohl einer der Gründe dafür, warum der Flic Flac für seine Vorstellungen eine Altersempfehlung ab 12 ausruft. Die Performance der jüngeren Tatjana Kastein hingegen ist einer der wenigen ruhigen Auftritte an diesem Abend. Die Gewinnerin des „European Youth Circus Festival“ brilliert auch hier in ihrer Spezialität, dem Handstand, und bringt das Publikum mit ihrer unglaublichen Körperbeherrschung und Flexibilität zum Staunen.
Doch wovon die Show im Flic Flac wirklich lebt, wofür das Publikum immer wieder am lautesten applaudiert, das sind die Momente, in denen man als Zuschauer befürchtet, live einen Absturz mitzuerleben. Wie bei Julia Galenchyk, die in mehreren Metern Höhe unglaubliche Verrenkungen an zwei Netzschals vorführt. Immer wieder wickelt sie sich ein, klettert ganz nach oben, lässt sich dann fallen und wird erst kurz vorm Boden doch noch von den Schals gehalten- das alles natürlich ohne Netz und doppelten Boden. Doch das ist nicht der einzige Auftritt, der den Stempel „Lebensgefährlich“ trägt und die Nerven des Publikums bis zum Zerreißen spannt. Den Höhepunkt der waghalsigen Aktionen bildet mit Sicherheit die letzte Showeinlage, für die eine große Stahlkugel in die Arena geschoben wird. In der Kugel, die noch nicht einmal 6 Meter Durchmesser hat, fahren insgesamt 8 Motorradfahrer mit bis zu 60 km/h durcheinander und lassen das Herz jeder Mutter im Publikum ängstlich höherschlagen.
Am Ende hat der Powerzirkus seinem Ruf alle Ehre gemacht. Wer subtile Performance und die leisen Töne bevorzugt, für den ist der Flic Flac zwar definitiv nicht das beste Ausflugsziel. Doch wer Lust auf eine düstere, jugendliche Show mit viel nackter Haut und Momenten hat, in denen das Herz stockt, der ist hier genau richtig.

Dieses Wochenende in Köln: Sounds LIKE, Get Addicted, Laut und Luise…

20. August 2009

Die c/o pop hat Köln verlassen, der Hochsommer marschiert gerade ein. Wer das letzte, vollgepackte Wochenende und die hohen Temperaturen überstanden hat, wird sich schon wieder auf die nächsten Parties freuen. Die kommen in den nächsten Tagen gewohnt elektronisch daher und bieten für seichtere Gemüter zum Beispiel die night of niceness, die im Odonien neben Nettigkeit und einem Electrofloor auch Rap und Discosounds bereit hält. Am Samstag findet sich die LIKE, abseits von Klüngeleien mit der Electronic Love oder Come Together, mal wieder im Subway ein und bietet neben Minimalelectro natürlich wieder ihr stylish-jugendliches Publikum. In den Kolbhallen hingegen wollen Laut & Luise zum ersten Mal einen „Zauberwald der elektronischen Tanzmusik“ entstehen lassen und haben dafür neben zwei Floors und einem fetten Line-Up auch einen Zauberer und eine Feuershow organisiert.

Weitere Parties und Infos dazu findest du hier!

Zirkus, Trödel, Open Air- Kölns Kunst- und Kulturveranstaltungen der nächsten Wochen

17. August 2009

Image and video hosting by TinyPic Der Zirkus ist in der Stadt! Direkt neben der Kölnarena hat der Flic Flac für diesen Monat sein Zelt aufgeschlagen und unterhält seine Zuschauer mit herausragenden artistischen Vorführungen. Für ganz kleine Besucher und schreckhafte Gemüter ist aber eher das Innenstadt Open Air zu empfehlen. Auf der Wiese hinter dem Filmhaus wird am Dienstag Wall-E, der kleine Roboter, nicht nur die Leinwand, sondern auch die Herzen aller Jung und Junggebliebenen erobern. Generationenkonflikte könnte hingegen die Ausstellung Graffitolog heraufbeschwören, denn hier finden Graffitis und andere Street Art-Werke einen Platz an der Wand und nicht nur auf der Toilettentür. Im fast theaterlosen Sommer verlosen wir außerdem Freikarten zu z.B. Neil Simons skurriler Komödie Der letzte feurige Liebhaber, in der ein Mann auf der Suche nach sexuellen Abenteuern seltsame Bekanntschaften macht.
Das wergehthin-Magazin mit den Kunst und Kultur-Empfehlungen der nächsten Wochen findest Du hier!

Die c/o pop am Donnerstag: Patrick Wolf

14. August 2009

Der Donnerstagabend dürfte schon jetzt der bunteste und ereignisreichste Abend im Programm der c/o pop gewesen sein. Dafür sorgte, wie nicht anders vorherzusehen, Patrick Wolf und vor allem der frühzeitige Abbruch seines Auftritts durch die Veranstalter. Aber eins nach dem anderen: Außer dem dramatischen Ende gibt es schließlich noch andere Highlights von diesem Konzert zu berichten.
Eines von ihnen ist mit Sicherheit die Performance von Support-Act Steve Strange. Nichtsahnend steht man vor der Bühne, die Ungeduld steigt langsam, schließlich wurde der Einlass schon um eine halbe Stunde nach hinten verschoben und drinnen wartet man jetzt schon genau so lang. Das Rumstehen wird hier aber nicht so schnell zur zermürbenden Zerreißprobe wie auf anderen Konzerten, denn das Publikum bietet einige optische Anreize zur Ablenkung und Diskussion. Viele der Fans scheinen sich nämlich weniger der Musik von Patrick Wolf als mit Herz und Seele seinem extrovertierten Kleidungsstil verschrieben zu haben. Riesige Schleifen im Lady Gaga-Stil, unglaubliche Frisuren, Haarfarben in allen Variationen und Klamotten, bei denen sich viele Normalsterbliche fragen, ob das überhaupt Kleidungsstücke sein sollen- der Offenbachplatz hat wohl noch nie eine so große Ansammlung schräger Vögel gesehen.
Eine zittrige Stimme unterbricht das Gestalten-Gucken und überrascht geht der Blick zur Bühne: Ist das schon Patrick? Nein, er ist es nicht. So oder so ähnlich könnte er aber in gefühlten 1000 Jahren aussehen. Steve Strange steht auf der Bühne und stellt sich vor. Sein Outfit ist nicht nur ein Bild für die Götter, sondern auch für die Lachmuskeln: Er trägt eine bunte Perücke mit misslungenem Vokuhila-Schnitt, sein blau-glänzender Ganzkörperanzug entblößt bei jeder Rechtsdrehung ein elegantes Bauchweg-Unterhöschen über gespanntem Alt-Männer-Bauch. Er erzählt dem leicht verwirrten Publikum von seiner Drogensucht, dem Tod seines Freundes Michael Hutchence, einem Brand, der ihm all seinen Besitz nahm und den zwei Platinalben, die ihm verliehen wurden. Spätestens an dieser Stelle dämmert es dann auch dem Letzten: Das ist die Vorband, nicht der Moderator, nicht ein geistig verwirrter Fan und auch nicht Patricks Vater. Micachu&The Shapes, die eigentlich als Support geplant waren, kommen nicht und machen Platz für dieses Urgestein des Pop. Denn das ist Steve Strange ohne Zweifel, ganz gleich wie abgehalftert und alt er inzwischen wirkt. Als Sänger der Gruppe Visage feierte er in den 80ern riesige Erfolge und schrieb Musikgeschichte mit Hits wie „Fade To Grey“, die auch heute noch auf jeder Trashpop-Party laufen. Dass die Zeit, in der Steve Strange in über 20 Ländern zeitgleich einen Nummer 1-Hit landete, schon in ferner Vergangenheit liegt, wird bei seiner Bühnenperformance aber mehr als deutlich. Nicht nur seine gestammelte Ansprache, auch seine zittrigen Bewegungen erinnern stark an Ozzy Osbourne bei seinen letzten Konzerten. Nur dass Strange sich nicht wie dieser verzweifelt am Mikrofon festklammert, sondern- so gut es eben geht- tanzt, hüpft und wild gestikuliert. Teile seines  Gesangs werden vom Band eingespielt, was offensichtlich wird, als Steve immer wieder seinen Einsatz verpasst und sich seine Lippen nicht ganz textsicher zum Song bewegt. Bei diesem skurrilen Anblick schwankt die Stimmung im Publikum von köstlich amüsiert bis hin zu tief schockiert. Nach einem Outfit-Wechsel spielt Strange tatsächlich noch „Fade to Grey“ und räumt dann den Platz hinterm Mikro für die jüngere Generation.
Beinahe zwei Stunden nach dem eigentlich angekündigten Beginn stolziert Patrick Wolf dann endlich auf die Bühne. Sein Outfit ist wie gewöhnlich ungewöhnlich: Er trägt eine halblange, rote Hose, darunter karierte Kniestrümpfe, um seinen Kopf baumelt eine Pferdetrense. Ein rotes Oberteil, das am Rücken ausgestopft ist, verleiht ihm außerdem große Ähnlichkeit mit dem Glöckner von Notre Dame. Von dem divenhaften Auftreten, das Musikrezensenten ihm immer wieder bescheinigen, ist im Umgang mit den Fans trotz extravagantem Look aber nichts zu spüren. Jungenhaft strahlt er zwischen den Songs ins Publikum und bedankt sich freundlich auf Deutsch.
Natürlich ist seine Show ein wahrer Augenschmaus. Doch auch musikalisch beweist Patrick Wolf, was er kann. Bei vielen Stücken übernimmt der Multiinstrumentalist den Piano-Part selber oder hängt sich für einige Akkorde die Gitarre um. Die Dame rechts von ihm, die ihn auf einer filigranen E-Geige unterstützt, sorgt außerdem für einen recht vollen Streicherklang. Die lange und doch auslaugende Wartezeit ist wohl erst einmal schuld daran, dass es ein wenig dauert, bis Bewegung in die Reihen vor der Bühne kommt. Als aber monumentale Hits vom neuen Album wie „Vulture“ oder „Hard Times“ erklingen, bringt das Folk-Elektro-Gemisch die Menge schnell in Stimmung.
Damit ist schlagartig Schluss, als ein Veranstalter nach knapp einer Stunde Konzert die Bühne betritt und Patrick Wolf zuflüstert, dass er sofort aufhören muss, zu spielen. Die Regelung der Stadt Köln, dass auf öffentlichen Plätzen, wie der Offenbachplatz eben einer ist, nach 22.00 Uhr keine laute Musik gespielt werden darf, leuchtet weder den Fans noch Patrick Wolf ein. Nachdem er den Überbringer der schlechten Nachricht als „motherfucking bitch“ bezeichnet hat, kündigt er unter dem Applaus der Zuschauer einen weiteren Song an und empfiehlt: „And you fucking ask your money back!“. Als ihm sogar dieses letzte Lied verwehrt und der Verstärker einfach ausgestellt wird, befördert er kurzerhand in wahrer Rock´n´Roll-Manier Mikrofon, Ständer, Stuhl und jede Menge Spucke in Richtung der Verantwortlichen. Mit einem Achselzucken wendet er sich entschuldigend an seine Fans: „I tried so hard!“. Dann folgt ein letzter Mittelfinger-Gruß in die Ecke der Tontechniker und Patrick Wolf verlässt erbost die Bühne. Zu Recht erbost über eine unsinnige Regelung und ihre strikte Umsetzung, natürlich. Hätte das Konzert allerdings wie erwartet um sieben Uhr und nicht erst um kurz vor neun begonnen, hätte er sich den ganzen Ärger auch sparen können.

Die c/o pop am Mittwoch: Tiny Vipers

13. August 2009

Wenn eine Frau alleine mit einer Akustikgitarre vor kleinem Publikum tiefemotionale Lieder anstimmt, liegt ein Vergleich mit Joanna Newsom immer schnell nahe. Bei Tiny Vipers beschränkt sich die Ähnlichkeit zwischen den Beiden nach eigener Aussage aber hauptsächlich darauf, dass sie beide „unheimlich“ auf Andere wirken. Damit könnte Jesy Fortino alias Tiny Vipers Recht haben. Beim Konzert im King Georg, mit dem sie den Auftakt auf der diesjährigen c/o pop machte, entführte sie ihr Publikum auf jeden Fall für eine Stunde in ferne, atmosphärische und oft dunkle Sphären. Image and video hosting by TinyPic
Für ein solches Konzert hat sich Jesy Fortino, ob gewollt oder nicht, die perfekte Location ausgesucht. Die King Georg Klubbar bietet nämlich nur Platz für wenige Zuschauer und damit umso mehr Platz für Intimität. Der Raum der ehemaligen Tabledance-Bar ist bei dem Eintrittspreis von acht Euro zwar sehr voll, sobald Jesy Fortino aber ihr kleines Podest besteigt, findet beinahe jeder einen Platz an der Theke, in den gemütlichen Sitzecken oder einfach auf dem Boden. Ihr zu weites, schwarzes Oberteil und die einfache schwarze Jeans betonen ihre Blässe, ihre schlanke Figur und die tiefen Augenringe lassen sie zerbrechlich wirken, schon bevor sie eine Saite gezupft hat. Ohne ein Wort ans Publikum zu richten, greift sie nach ihrer Gitarre, fängt an zu spielen und taucht innerhalb von Sekunden in ihre eigene Welt ein. Für einige dürfte diese Welt zu emotional, zu düster, zu introvertiert und oft zu verzweifelt sein. Doch diejenigen, die Jesy Fortinos Welt verstehen und ihr ein Stück weit folgen können, erleben einen bezaubernden und ergreifenden Live-Auftritt.
Denn Minimalismus mit riesiger Wirkung scheint nicht nur das Bühnenoutfit und die Performance betreffend Tiny Vipers Spezialgebiet zu sein, auch ihre instrumentellen Parts sind reduziert auf das Nötigste. Die Gitarre begleitet ihre Stimme alleine und auch das nur gezupft oder sogar zart gestreichelt. Dennoch gelingt es ihr häufig, eine melodiöse Dichte zu erzeugen, die hypnotisch wirkt. Immer wieder unterbricht ihre starke Stimme diese Hypnose, manchmal verzweifelt und laut klagend, oft traurig Abschied nehmend, dann wieder leise und stellenweise beinahe eintönig. Die ganze Zeit blickt sie sich nicht um, sondern hält die Augen fest geschlossen, fast so, als mache der Anblick des Publikums ihr Angst oder aus Angst, der Anblick des Publikums könnte sie aus ihrer Welt reißen.
Erst nach einer dreiviertel Stunde spricht sie ihre ersten und beinahe letzten Worte für diesen Auftritt: „This is my last song. Thanks for coming.“ Ruhig, einfach, ehrlich. Der Song, der folgt, stammt von der neuen LP „Life On Earth“ und bildet den emotionalen Höhepunkt bei einem Konzert voller emotionaler Höhepunkte. Es geht um den Tod, wie so oft bei Tiny Viper, und um den Abschied von einem geliebten Menschen. Von Jesy Fortino kann und will sich das Publikum aber noch nicht so schnell verabschieden und so gibt es anhaltenden und fordernden Applaus, der der zarten Sängerin beinahe peinlich zu sein scheint. Dennoch lässt sie sich bitten, nimmt wieder Platz und erfüllt sogar einen Wunsch, den ein eingefleischter Fan in den Raum wirft. „Outside“ soll das letzte Lied für heute Abend sein, ebenso wie es der krönende Abschluss auf der neuen Platte ist. Das wäre auch ihre Wahl gewesen, sagt Jesy, warnt aber sofort: „I usually mess that one up!“. Natürlich ist sie zu bescheiden, denn der Song gelingt ebenso wie alle anderen vor ihm. Nach knapp einer Stunde wird man dann entlassen aus Tiny Vipers Welt, immer noch bezaubert und beeindruckt, aber irgendwie auch erleichtert, dass man nicht immer darin leben muss.
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Die c/o pop am Mittwoch: Moderat

13. August 2009

Ein dumpfer Ton durchdring das Gloria. Auf einer Leinwand an der linken Seite des Raums erscheint die schwarz-weiß Aufnahme eines Walds. Der tiefe Bass verändert sich in eine zarte Melodie, das Publikum beginnt vereinzelt zu jubeln, doch Moderat lassen noch auf sich warten. Eine Stunde, um genau zu sein, ertönt lediglich ein etwas leise gehaltenes Set von zwei Jungs, die am Rand der Bühne stehen und wohl auch nicht so viel zur Sache tun. Die Leinwand zeigt im Laufe der 60 Minuten Kinder die ihren Heimweg von der Schule antreten und Menschen die Luftballons steigen lassen. Insgesamt sind diese Bilder schon beeindruckend, jedoch nichts im Vergleich zu den Visuals die Pfadfinderei später auf die Leinwände auf der Bühne projizieren soll. Kurz nach 22 Uhr ist es dann soweit: Monomentale Töne erklingen und hinter den Leinwänden erscheinen Schatten, die auf Gernot Bronsert und Sebastian Szary (Modeselektor) und Sascha Ring (Apparat) schließen lassen. Sekunden später beginnt endlich das Konzert mit dem gleichen Track, mit dem auch das Album „Moderat“ startet: „A New Error“ eklingt, etwas zu leise, durch das ehemalige Theater, untermalt von rhythmischen Handgesten, die besagte Pfandfinderei auf die Leinwände wirft. Das Publikum ist schon jetzt voll dabei und war es eigentlich auch schon vor einer Stunde.

Dubstep- und Breakbeats lassen nicht wirklich erraten um welchen Track es sich in den folgenden Minuten handeln soll, doch als „Rusty Nails“ beginnt und Apparat zum Mikro greift, spielen Moderat den heimlichen Hit des Abends. Und kurz danach: Der Kurzschluss. Das Soundsystem setzt aus und nicht nur auf der Bühne wird kurz inne gehalten. Doch Moderat überspielen diese kleine Panne gekonnt und stellen sich und ihre Helfer kurzerhand unter Jubeln seitens des Publikums vor. Fünf Minuten später ist auch schon wieder alles repariert und das Spektakel irgendwo zwischen Downtempo und ins-Gesicht-Rave geht weiter. Immer wieder mit dabei: 3D Visuals,  Aufnahmen von z.B. an Baumstämmen zerspringenden Regentropfen und das Synthie-Thema von „Seamonkey“, welches das Publikum eine regelrechte Party feiern lässt.


Hämmernde Bässe, kurze, ruhige Parts und dann wieder hämmernde Bässe: Moderat wissen wie man ein elektronisches Konzert aufbaut und halten das volle Gloria damit in Schach. „Einmal kommts noch rein und dann wieder raus!“ kündigt Gernot Bronsert den letzten Teil des offiziell letzten Tracks an und die Menge vor der Bühne weiß damit umzugehen. Natürlich wird um eine Zugabe gerufen, die mit dem bouncigen „Slow Match“ auch noch einmal richtig abgehen soll. Ganz zum Schluß ertönt ein Song, den Moderat bei ihrer Tour „bis jetzt nur vier oder fünf Mal gespielt haben“ und schließt somit eins von insgesamt vier c/o pop Eröffnungskonzerten ab, die leider alle gleichzeitig in verschiedenen Spots stattfanden. Aber auch wenn das Konzert ein wenig schleppend und viel zu leise startete, nicht nur die wirklich beeindruckenden Bildvorführungen machten dieses Konzert insgesamt zu einem gelungenen Opening.