1. Kölner Schlaraffentag mit Gisbert zu Knyphausen

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Image and video hosting by TinyPicFünf Bands an einem Abend, das Konzert dauert von acht bis ein Uhr- mancher weniger bescheidene Veranstalter hätte den Singer/Songwriter- Abend im Stadtgarten schon als kleines Festival angekündigt. Stattdessen heißt er viel schöner, poetischer und deswegen auch so viel passender „Kölner Schlaraffentag“ und die Nummer 1 davor kündigt an, dass wohl noch einige Abende dieser Art folgen werden. Dem Festivalgefühl kann man sich netterweise trotzdem nicht ganz erwehren und so sieht man viele Besucher aus dem Konzertsaal auch im Biergarten des Stadtgartens oder im Park plaudern und mit einem kühlen Bier in der Sonne sitzen. Schneller als man denkt, hat man bei dieser geselligen Atmosphäre die Zeit aus den Augen verloren und stürmt erst zum Ende des ersten Auftritts den rot-leuchtenden Konzertsaal. Bei vier Vorbands die erste zu verpassen, bedeutet bei den meisten Veranstaltungen absolut keinen Verlust. Als Roland Meyer de Voltaire, eigentlich Kopf der gefeierten Indie-Band Voltaire, aber seinen Laptop anschmeißt und mit hellem, klarem Gesang sein letztes, nur für den Schlaraffentag komponiertes Lied spielt, wird klar: Mit diesem Auftritt hat man so einiges verpasst.
Da heißt es nicht verzagen, sondern positiv denken, das Line Up ist schließlich noch lang und lässt nach einem solchen Auftakt auf einiges hoffen. Die Pause kann erst einmal zur perfekten Positionierung in der Zuschauermenge genutzt werden, denn die Reihen sind noch licht und bieten vor der Bühne sogar genug Platz, um auf dem Boden zu sitzen. Passend zum Motto „Schlaraffentag“ sind außerdem im ganzen Raum Körbe mit Trauben, Birnen und Weingummi verteilt, an denen sich die Hungrigen im Publikum auch fleißig bedienen. Image and video hosting by TinyPicFrisch gestärkt und mit perfekter Sicht geht es nach kurzer Zeit also weiter mit Philipp Süß und so. Das „Und so“ besteht in diesem Fall aus Sebastian an der Trommel und Silvia am Fagott, wobei vor allem letztere mit diesem für Live-Konzerte doch eher ungewöhnlichen Klang für Begeisterung im Publikum und den ein oder anderen Spontan-Applaus sorgt. Und auch die Qualität der Texte überrascht: Egal ob Philipp Süß sozialkritisch analysiert wie in dem Song „Vom Tellerwäscher“, verträumt-melancholisch „Das Nebeneinander von Dingen“ beschreibt oder sich selbst in „Ich“ oder „Ein Grobmotoriker bittet zum Tanz“ auf die Schippe nimmt, das Publikum lauscht begeistert. Zusätzliche Sympathien gewinnt der 27-Jährige mit seinen lockeren Plaudereien zwischen den Songs, von denen sich die anschließende Band noch eine Scheibe abschneiden könnte.
Halbwolf, die Newcomer aus Siegen, überraschen viele Zuschauer schon beim Betreten der Bühne, denn im Vergleich zu den Singer/Songwritern des Abends sind die Jungs zu fünft und benutzen nicht nur E-Gitarre, Bass und Schlagzeug, sogar ein Keytar (für alle die es auch nicht wussten: Halb Gitarre, halb Keyboard) ist auf der Bühne zu sehen. Entsprechend pompöser wird der Sound, was nicht zu letzt an Sänger Normans Technik liegt: Irgendwo zwischen Screamo, Opernarie und Herbert Grönemeyer klingelt seine Stimme an manchen Stellen in den Ohren, macht aber gleichzeitig einen großen Teil des Wiedererkennungswert bei den Halbwolf-Songs aus. Für einige Minuten verlässt der Frontmann, dessen Bewegungen hinterm Mikro übrigens denen eines Joe Cocker auf Speed gleichen, die Bühne und lässt seinen Bandkollegen freien Lauf für ein beeindruckendes Instrumentalstück.
Instrumental minimalistisch nimmt die Oliver Minck Erfahrung danach das Zepter in die Hand. Nur vom Schlagzeug begleitet schlägt der Sänger und Bassist von „Wolke“ sozialkritische Töne an, bevor endlich der lang ersehnte Headliner auf die Bühne tritt.
Gisbert zu Knyphausen. Mit Unterstützung von einer Band, für die das Publikum im Konzertsaal in einer kurzen Pause sogar einen Namen aussuchen darf. Die Fünf rocken zusammen, ganz ohne Frage, und doch kommt das Wichtigste bei Gisberts Songs nicht zu kurz: Er erzählt Geschichten, die unspektakulär erscheinen und berührt das Publikum damit doch mehr als jede Liebesballade. Er benutzt in seinen Texten Worte wie „Arsch“, „Kacken“ und „Saufen“ und wirkt doch nie obszön oder platt. Er singt von den kleinen Lichtblicken im düsteren Alltag, von denen wir alle hören wollen. Und er bringt das Publikum schon mit den ersten melancholischen Tönen zum Schweigen und Staunen. „Ihr seid so still“, fällt ihm schnell selbst auf. „Ich fass das einfach mal als Kompliment auf.“ Das darf er auch, der ansonsten eher schweigsame Gisbert. Ohne Titelansage und Zwischengebrabbel reiht er am Anfang Song an Song, zum Ende hin, vor allem mit dem Auftauchen kleiner technischer Probleme und Schwierigkeiten, wird er lockerer, aber nicht wesentlich gesprächiger. Als es bei einem Solostück mit der neuen Gitarre so gar nicht klappen will, unterbricht er und fragt schmunzelnd „Darf ich nochmal?“. Natürlich darf er, so wie er wahrscheinlich alles dürfte, wer könnte ihm schon einen Wunsch abschlagen? Doch auch er kann die Wünsche seiner Fans nicht unerfüllt lassen und tritt nach anhaltenden „Zugabe“-Rufen noch einmal auf die Bühne. Die fünf (!) Songs, die er als Zugabe alleine mit seiner Gitarre spielt, setzen dem Konzert das Sahnehäubchen auf und entlassen das Publikum glückselig lächelnd in die Nacht. Image and video hosting by TinyPic

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