Michel Birbaek im Stadtgarten

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Lesung Michel Birbaek im Stadtgarten Köln, 29.04.09

Man erwartet vor den Türen dieser Lesung ein Heer von Frauen: gut gestylt, Mitte dreißig, Single oder mit ihrem noch engagiert werbenden Lebensabschnittsgefährten im Schlepptau. Schließlich schreibt Michel Birbaek (sprich: „Mikel“) seine Kolumnen für Zeitschriften wie Allegra, Maxi oder Woman. Doch der Blick in die entspannt wartende Zuschauermenge hält einige Überraschungen bereit: Im dämmrigen Rotlicht des Konzertsaals lassen sich nicht nur Pärchen ausmachen, ab und an sind tatsächlich gleich mehrere Plätze nebeneinander von männlichen Zuschauern besetzt.Image and video hosting by TinyPic

In seinen Romanen „Beziehungswaise“ oder „Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr“ sorgt sich Michel Birbaek mit einem Augenzwinkern um so gewichtige Themen wie die große Liebe, wie man sie erkennt und wie man sie hält, wenn man sie denn gefunden hat. In dem Comedy-Sitdown-Programm, mit dem der Ex-Musiker zur Zeit durch Deutschland tourt, stehen aber seine Kolumnen im Vordergrund, in denen er mit Witz und leicht überspannt Situationen bespricht, die jedem von uns bekannt vorkommen. Der ein oder andere Zuschauer dürfte auf Grund mangelnder Erfahrung die Probleme in Texten wie „Zu alt für mein Leben“ zwar vielleicht nicht gänzlich nachvollziehen können. Wenn Birbaek sich „Beziehungszombies“ und „Jein-Sagern“ widmet, wissen aber alle, wovon er spricht: Menschen wie Birbaeks beste Freundin Susi, die in Beziehungen für Freunde unerreichbar werden und zu Beziehungszombies mutieren oder Bekannte, die sich nie richtig auf eine Beziehung einlassen, sie aber auch nicht beenden können, veranlassen den Mittvierziger zu aufgeregten Fragen in den Zuschauerraum. Dabei bekommt man zwar kaum besonders Neues oder Brillantes zu hören, die typischen, altbekannten Probleme werden aber so witzig aufbereitet, dass man sich ein „Das-kenn-ich-doch-nur-zu-gut“-Schmunzeln nicht verkneifen kann.
Dass der bereits angekündigte und vom Publikum erwartungsvoll begrüßte Text über die sehr spezielle weibliche Gattung der „Tussi“ dann doch noch im Hotel liegt, machen eine angestrengte Manuskriptsuche auf der Bühne und das sympathische Auftreten des Autors schnell wieder wett.
Für Stimmung im Publikum sorgen aber vor allem die Tonaufnahmen, die Michel Birbaek zwischen seinen Kolumnen abspielt. Auf ihnen stellt er Kindern verschiedene, teilweise sehr erwachsene Fragen und erhält ganz im Dingsda-Stil mal mehr, mal weniger eloquente aber meist sehr erheiternde Antworten.

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